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Musik Vorantasten und genießen

Saleem Ashkar debütiert beim Rheingau Musik Festival mit einem romantischen Programm.

Saleem Ashkar, Klavier auf Schloss Johannisberg
Saleem Ashkar in Schloss Johannisberg. Foto: Ansgar Klostermann/RMF

Saleem Ashkar, 1976 als Sohn palästinensischer Christen geboren, hatte von seiner Heimatstadt Nazareth aus einen weit längeren Weg zur klassischen Pianistenlaufbahn, als er vor Moskauer oder Pariser Kindern liegen mag. Er sei, berichtet er in Interviews, der einzige weit und breit gewesen, der überhaupt das Klavierspielen lernte. Dennoch fügte sich dann von Europa aus alles zu einer internationalen Karriere. Heute lebt Ashkar in Berlin und gehört neben seiner Arbeit als Konzertpianist zu den Hauptakteuren an Daniel Barenboims 2016 hier gegründete Al-Farabi Musikakademie, die sich namentlich (aber nicht nur) an junge Geflüchtete wendet.

Beim Rheingau Musik Festival in Schloss Johannisberg debütierte Ashkar nun mit einem deutsch-französischen, romantisch-impressionistischen Programm. Nicht nur weil es nachher draußen blitzte und donnerte, ein unheimlicher Zusatzeffekt, war der Teil nach der Pause der markantere. Der recht harte Anschlag machte aus Johannes Brahms’ „Zwei Rhapsodien“ op. 79 zu Beginn eine massive Angelegenheit. In Robert Schumanns „Kinderszenen“, der nicht technisch, aber mit Blick auf die Hörerfahrung des Publikums oft riskanteste Programmpunkt, fehlte es ebenfalls ein wenig an Elastizität. Dafür erlebte man einen dermaßen ernst sich vorantastenden, so nachdenklichen Musiker, dass der Situation nicht zu widerstehen war (überhaupt konnte man ins Grübeln kommen über das Gesicht als Spiegel der Seele). Draußen erstes Donnergrollen.

Nach der Pause dann ein starker Auftritt mit Claude Debussys „Images“ (Heft 1) und Frédéric Chopins Balladen 3, As-Dur, und 4, f-Moll: Debussys „Spiegelungen im Wasser“ als Pointillismus, die „Hommage an Rameau“ von geschmackvollem Gewicht und das „Treiben“ in einem geglückten Austarieren zwischen Vehemenz und Leichtigkeit.

In den Chopin-Balladen zeigte sich Ashtar von mitreißender Melancholie, auch als Teufelspianist, der sich wie ein Genießer in die späten, aber umso ausführlicheren Läufe warf. Chopin wusste, wie man aus einem friedlichen Publikum auf der Zielgeraden in Minutenschnelle ein frenetisches macht. Als Zugabe, „weil es draußen schon dunkel ist“, ein „Nocturne“. Am Wochenende geht das Festival zu Ende, der Herbst steht vor der Tür. Das wird ein Einschnitt.

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