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Musik im Palmengarten Das Schöne am Sommer

Zwei Sängerinnen, Fenne Lily und Mogli, elfenhaft im Frankfurter Palmengarten.

Mädelsabend, Pardon, Damenabend im Palmengarten, zwei Sängerinnen im Programm. Es ist voll, badewannenwarm, die Schlange vorm Wein- und Bierstand siebzehn Meter lang. Und das alles muss genau so sein, denn es ist dermaßen Sommer, ja, es ist Summer in the City. So heißt die Musikreihe des Mousonturms in der Konzertmuschel des Frankfurter Botaniktempels.

Hauptattraktion des Abends ist Mogli, die weitgereiste Frankfurterin mit den tausend Talenten. Aber es wäre eine Schande, nicht zuerst von Fenne Lily aus Bristol zu berichten, die den frühen Abend überstrahlt mit ihren unerhört sanften Liedern und vor allem: mit ihrem Witz.

Beim Gitarrestimmen und trotz Auseinandersetzung mit einer Wespe, die ihr vor jedem Lied das Mikrofon streitig macht, kann die Zwanzigjährige die tollsten Geschichten erzählen. Wie sie heute schon um 6 Uhr raus musste wegen der Anreise, wie sie deshalb ihren Pass vergaß, ihre Effektpedale „und meine Stimme“. Die Leute lachen. Dass sie keine Band dabei habe und wir uns darum das Schlagzeug vorstellen sollen, verzerrte Gitarren und Leute, die um sie herumspringen.

Mogli sei ihre beste Freundin, erzählt Fenne Lily (und sonst gerade kein Freund da). Zweimal sei Mogli auf ihren Arm tätowiert, so oft wie kein Boyfriend und niemand aus ihrer Familie, auch nicht ihr Bruder, übrigens der einzige Junge, dem sie je gesagt habe, dass sie ihn liebe, ohne dass er sofort wegrannte. Die Menschen seien immer überrascht, sagt Fenne Lily, wie lustig sie sei und wie traurig ihre Lieder. „Jetzt kommt ein Song über das Sterben und Drogennehmen.“ Alle lachen. Das kriegt auch nicht jede Sängerin hin. Eine Ente watschelt durchs Publikum.

Mogli, eigentlich Selima Taibi, aber schon immer wie aus dem Dschungelbuch entsprungen, hat eine Band dabei. Dadurch hört man ihre Stimme anfangs nicht gut heraus, aber das steigert sich. Ein sanfter Einstieg der überraschend sommerblonden Sängerin, bisher kannte man sie dunkelhaariger, und sie kann Regen machen, wenigstens akustisch.

Elfenhaft singt Mogli, 24, von der Ferne, die sie trotz ihrer Jugend schon weit bereist hat und aus der sie mit ihrem Lebensgefährten Felix Starck nicht nur Lieder mitbringt, sondern ganze Dokumentationen, einen Kinofilm gar, Soundtracks, preisgekrönte Werke. Im Palmengarten begleiten sie schöne, zuversichtliche Gitarrensounds und eine Portion zu viel Elektrobass, während sie Kompositionen singt, die sie im Dschungel schrieb, in einer Lagune treibend, in Alaska oder auch einfach mal in einem Zimmer, inspiriert nicht vom Draußen, sondern vom Inneren.

Die Atmosphäre, während das Tageslicht vornehm dem Bühnenglühen weicht, ist dicht und zugleich weit. Das Publikum freundlich, geradezu liebevoll. Der Sommer in der Stadt hat seine besten Momente am Abend.

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