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Musik Eine Runde Zeitlosigkeit

„Schafe, Monster und Mäuse“, das neue Album von Element of Crime.

Es muss ihn wohl geben, den Moment, an dem der Zustand, irgendwie gemocht zu werden, umschlägt in innige Verehrung. Sven Regener und seine 1985 in Berlin gegründete Band Element of Crime haben ihn 2005 erfahren, als das Album „Mittelpunkt der Welt“ plötzlich in die Charts aufstieg und die Single „Delmenhorst“ zu einem – na, ja – Hit wurde. Dabei haben sie damals nichts anderes getan als all die Jahre zuvor, nachdem sie dazu übergegangen waren, ihre melancholische Grundstimmung auf Deutsch vorzutragen.

Die fein instrumentierten Songs mit einer deutlich positionierten Trompete bewegten sich zwischen Dorfkapelle und Calexico, und Regeners Texte setzten sich wohltuend ab vom allgemeinen Deutschpoptrend, es etwas anspruchsvoller klingen zu lassen. Regener-Songs hingegen haben Widerhaken und transportieren die leicht ins irre abdrehende Erfahrung, früher schon einmal dagewesen zu sein.

Das ist 13 Jahre und ein paar Alben später, in denen Element of Crime nicht länger kultverdächtig erschienen, nicht anders. „Schafe, Monster und Mäuse“ enthält zwölf neue Songs, die man zu kennen glaubt. Manches war, zumindest live, tatsächlich schon zu hören.

Zum Element-Gefühl gehört es ja auch, die handelsüblichen Verwertungsketten nicht vollends zu bedienen. Regeners Wutausbruch gegen die Umsonst-Kultur, die doch nur eine verfeinerte Form des Kunstraubs darstellt, sind Legende. Für das Marketing bedeutet das: Album sofort, Streamingdienste später.

Räumlich scheint Sven Regener kaum über die Wiener Straße in Kreuzberg hinausgekommen zu sein, deren Lebensgefühl aus den späten achtziger Jahren er in seinem gleichnamigen Roman in aller Weitschweifigkeit durchbuchstabiert hat. Nun geht es zur Party am Schlesischen Tor. Und wenn irgendwer Bier holt, ist es immer noch Sterni. Ach, warum auch nicht? („Weißt du wohin oder läufst du nur geradeaus?“).

Sven Regeners Stimme ist kratziger geworden und passt gerade deshalb gut zum Gefühl des sanften Ausklingens, das die Band schon immer angestimmt hat. Das Ende der Party ist näher an das Lebensende herangerückt. Wer weiß schon, ob es morgen einfach weitergeht.

Und wie es sich anfühlt, „Wenn es kalt und dunkel wird in Berlin“ hat Sven Regener seit jeher beschäftigt. Aber wenn es dann von Kreuzberg aus zum Ku’damm geht, („Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“) fühlt es sich nicht anders an als die Zeit davor.

Element of Crime wirft eine Runde fortgeschrittener Zeitlosigkeit in die Debatte – das muss man auch erst einmal hinbekommen.

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