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Musik Brahms, wir kriegen dich zum Plaudern

Annette Dasch und das Fauré-Quartett beim Rheingau Musik Festival.

Einen „Dasch-Salon“ ganz ohne gesprochene Worte bot die mit ihrer munteren TV-Klassik-Animation bekannt gewordene Sopranistin, die dieses Jahr Residenzkünstlerin des Rheingau Musik Festivals ist. Auf Schloss Johannisberg ging es jetzt um ein Programm, in dessen Verlauf zwischen den Sätzen des c-Moll-Klavierquartetts von Johannes Brahms Lieder von Gustav Mahler und Richard Wagner gestellt waren.

Eine Art vokaler Lackmus-Test von exhibitionistischeren Künstlern, um Brahms zum Sprechen zu bringen. Brahms, wir kriegen dich mit Wagner und Mahler zum Plaudern über deine Hoffnungen und Frustrationen in Sachen unglücklicher Liebe zu Clara Schumann, woran Du doch dein ganzes Leben lang geknabbert hast!

Vergebliche Liebesmüh zweifellos, denn ein so intrikater, seine Befindlichkeiten nicht ausposaunender, sondern in größte Formverbindlichkeit umschaffender Künstler ist dem aufmerksamkeits-ökonomischen Offenbarungszwang heutiger Art noch ferner als seine immer fern gebliebene Geliebte.

Herrlich war es, das Scheitern der Exhibitionierungsversuche mittels einiger „Lieder aus des Knaben Wunderhorn“ (Mahler) und der „Wesendonck-Lieder“ (Wagner) zu erleben. Im Gegenteil: der Schuss ins liebeswunde Herz des ästhetischen Sublimierers ging nach hinten los und ließ besonders im ersten Teil des Abends die Mahler-Lieder als blasse, nicht einmal gestaltungs-attraktive Klangverläufe erscheinen. Was an der uninspirierten Transkription für Klavier-Quartett von Dietrich Zöllner gelegen haben mag, oder an den aufspielenden Musikern des Fauré-Quartetts, die dem doppelzüngigen Volkston Mahlers nichts abzugewinnen vermochten.

Man spielte getragen und in planem Modus mit eigentlich schön schlankem, aber leerem Ton, was Mahler gar nicht trifft. Und die Zerstückelung der Satzfolge des Brahms-Quartetts ließ deren konstruktiven Wechselbezug verschwinden. Dabei war die Stimme Annette Daschs eckig, manchmal nicht gut im Sitz und höhenforciert.

Das änderte sich gänzlich im zweiten Teil, wo eine blendende Darbietung der Wesendonck-Lieder dem finalen Brahms-Satz vorausging. Das schöne Stimmmaterial der Dasch kam bestens zum Tragen, die gedeckte und dichte Spannung bei gelungener Dezenz war höchst plastisch und doch ganz unaufdringlich. Träumerische Luzidität als Ernstfall – völlig beherrscht. Längst vergessen, dass eigentlich Brahms das Sezierobjekt all dessen sein sollte. Brahms’ zerstückelter Torso war das Opfer des Abends – Wagners vokales Spiel mit tristanischen Vorkostereien aus Anlass seiner Zürcher Affaire das zentrale Ereignis im Fürst-von-Metternich-Saal.

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