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Museumskonzert Kompetenz für größte Rasanz

Augustin Hadelich und das Museumsorchester in idealer Beziehung in Frankfurts Alter Oper.

Das längste Stück gab es gleich zu Beginn, und es war auch das unbekannteste des romantischen Programms, das im 3. Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt gespielt wurde. Richard Wagners Sinfonie in C-Dur WWV 29, ein Werk des Neunzehnjährigen, knapp vierzig Minuten lang, lässt mit seiner Einleitung aufhorchen, die harmonisch und in ihrem tektonischen Pathos ungewöhnlich ist.

Offensichtlich war es aber nur dieser Beginn, der über die künftige musikdramatische Größe des Meisters Aufschluss geben konnte. Der Rest des Werks zeigte allenfalls eine gewisse Ungebärdigkeit im Zusammenbau vertrauter sinfonischer Modelle. Ein nicht schlechter, aber auch kein überragender Sinfoniker mehr wäre der Musikgeschichte beschert worden, wäre Richard Wagner beim Leisten seiner Anfänge geblieben.

Dirigent war Jun Märkl, ein beweglicher und auf markante, ja anspringende Gestalt zielender Orchesterleiter. Der 1959 geborene ehemalige Generalmusikdirektor der Oper in Saarbrücken und Mannheim, lange Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters Leipzig, trat zum ersten Mal bei den Museumskonzerten auf; ebenso wie Augustin Hadelich, der den Solopart in Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert op. 64 bestritt. Ein Ereignis, denn der 1984 als Sohn deutscher Eltern in Italien geborener US-Staatsbürger pflegt einen unaufgeregten, reich artikulierten, den romantischen Klassizismus perfekt gestaltenden Ton in höchster Formgebung.

Damit stand er in idealer Beziehung zum Ton des Museumsorchesters, den Märkl wiederum in Kongruenz mit dem Solisten erklingen ließ. Ein getragener, legato-affiner Gestus, der viel mehr Gewicht, Schattierungen und Charakter ergab, als es das übliche Setzen auf das Tempo und die Konturenhärte vermocht hätte. Dass Hadelich über die Kompetenz für größte Rasanz und verrückteste Fingerfertigkeit verfügt, bewies seine Zugabe, die am Sonntag in der „Caprice No. 24“ Niccolò Paganinis bestand.

So wie in Mendelssohn-Bartholdys konzertantem e-Moll mehr Wagner steckt als in dessen sinfonischem C-Dur, so eine ganze Menge Richard I. in Richard II., wie sich Strauss ganz bescheiden gegenüber seinem Namensvetter titulierte. „Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28“ quasi mit Siegfrieds Hornmotiv, den Alberich-Meckereien, dem Prügel-Fugato: alles vollständig fermentiert und expediert in einen neuen Ton, der schlagkräftig die Handlung selber ist. Das Museumsorchester war von Märkl auf Hochdramatik verpflichtet, um den Anti-Helden mit den schärfsten Klangmitteln zu trimmen. Mancher Einsatz wirkte da selber wie ein gewöhnungsbedürftiger lustiger Streich...

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