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Museumskonzert Dialektische Reibungsenergie

Sebastian Weigles süffisanter Richard Strauss in der Alten Oper Frankfurt.

Den Ehrentitel des dialektischen Komponisten hatte Theodor W. Adorno seinem Idol Arnold Schönberg vorbehalten, dabei träfe er bei einem seiner Antipoden ins Schwarze. Bei Richard Strauss und seinen zehn sinfonischen Dichtungen, deren Darbietung über acht Spielzeiten verteilt der Frankfurter Museumsgesellschaft ein Anliegen war. Zum Abschluss der auch für die CD aufgenommenen Reihe erklangen jetzt in der Alten Oper „Don Quixote“ und „Also sprach Zarathustra“, letzteres Werk in Frankfurt vom Komponisten selber uraufgeführt mit dem Orchester, das auch jetzt spielte. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester stand unter Leitung Sebastian Weigles, einem Strauss-Enthusiasten, wenn man dem Engagement seines Dirigats Glauben schenken darf.

„Don Juan“ der Frauenheld versus der Pantoffelheld in „Sinfonia domestica“, der asoziale Witzbold in „Till Eulenspiegel“ versus der Künstlerheros in „Ein Heldenleben“, „Die Alpensinfonie“ versus die Städtebilder in „Aus Italien“ und nun der Widerspruch des trotteligen Phantasten und des Übermenschen. These und Antithese in der Einheit der aus dem Gehege der realitätstüchtigen, der zahmen Haustier-Zeitgenossen, wie das Straussens Idol Friedrich Nietzsche genannt hätte, Ausgebrochenen. Einheit von Erhabenem und Niederem, von Komplexem und Populärem, harmonisch Behaglichem und dissonant Aggressivem: In beiden Fällen weiß Strauss die Widersprüche zu exponieren und in ihrer kompositorischen Vermittlung zu synthetisieren. Klang gewordene dialektische Reibungsenergie.

Beim Porträt des spanischen Edelmanns, der zu viele Ritterromane gelesen hat und in seiner Filterblase jetzt die Welt erobern will, gab Isang Enders, der neue Stern am Cellisten-Himmel, dem eigensinnigen Minus-Helden mit sicherster Geste eine schöne Stimme und ein jugendliches Herz. Eine Stimme, die bei aller spieltechnischen Schwierigkeit, die Strauss diesem komplexen Charakter verliehen hat, leicht blieb und den Anflug von Knorzigkeit oder Karikatur in jedem Moment vermeiden konnte. „Zarathustra“, gewissermaßen die Alpha-Ausgabe zur Omega-Position des tragischen Helden Don Quixote, war als Anti-These fast die harmonisch geglättetere, aber prachtvollere Ensemble-Erscheinung.

Süffisanz dort, Süffigkeit hier, in sowohl wunderbaren Ziselierungen als auch als tanzselig glänzende Riesenorchester-Walze brillierte das Opern- und Museumsorchester.

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