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Mnozil Brass Anarchischer Spaß

Thomas Gansch und seine Kultband präsentieren in der Alten Oper Frankfurt ihr neues Programm „Cirque“;.

Robert Rother macht den Anfang. Mimt den Schüchternen, der mit scheuen Blicken dem Publikum in der ersten Reihe die Blütenblätter einer roten Rose zupustet. Ein kleines Zwinkern noch vom Mann in der quietschgelben Latzhose, dann tollt der Rest der Bande laut und ungestüm auf die Bühne. Voilà, hier kommen Thomas Gansch, Roman Rindberger, Leonhard Paul, Gerhard Füßl, Zoltan Kiss und Wilfried Brandstötter.

Rother und seine Kollegen sind Österreichs sehr schräge Antwort auf André Rieu. Eine quicke Band, die mit virtuos und unkonventionell gespielter Blasmusik ihr Publikum um den Finger wickelt. Kunterbunt gekleidet präsentieren Mnozil Brass in Frankfurt ihr neues Programm „Cirque“. Zitieren und variieren Liszt und Mahler, Haydn und Strauss, klauen bei Rossini, Strawinski und – Sting, lassen sich fallen in Walzer und Polka.

Den soliden Hintergrund für ihre Tour de force durch Stile und Moden bilden lange Lehrjahre – ein jeder der sieben ist studierter Orchestermusiker – vor allem aber Zeit in den heimatlichen Trachtenkapellen.

Kopf ist Thomas Gansch, der im Vienna Art Orchestra von Mathias Rüegg den Weg zu Jazz und Improvisation gefunden hat. Den Grundstein für seine Brass Band aber, den hat er schon vor der Zeit bei Rüegg gelegt, als er sich mit Kommilitonen im Wirtshaus Josef Mnozil im 1. Wiener Bezirk zum abendlichen Jammen traf: „Jeder konnte aus dem Stand zehn Märsche, zehn Polkas und fünf Walzer spielen“.

Den Spaß an solch populären Klängen und seinen anarchischen Humor, die hat sich das Ensemble aus Wien erhalten. Heute, im 25. Jahr, ist die Band um Gansch und seine Trompete(n) Kult, das schräge Septett füllt locker den Großen Saal in der Alten Oper.

Für „Cirque“ haben sie zirkusnahe Musiken zusammengestellt, mal in blechern geschmettertem Marschduktus vorgetragen, dann wieder sanft und verträumt schunkelnd. Clowneske kleine Sketche und Pantomimen sind eingebettet in diese sehr eigene Wiener Melange, eine immer wieder zwischen Jazz, Klassik und Volksmusik changierende Musik. Mit viel Finesse sind die Stücke der alten Meister arrangiert und von Gansch, Paul und Füßl clever ergänzt um Eigenkompositionen.

Da heben sich die Beinchen, da wird geblödelt und gehopst. Mit viel Liebe zum Detail und mit einer Komik, die unverschämt albern daherkommt. Schlicht poetisch – oder poetisch schlicht? Eine Hommage ans kleine Zirkuszelt, wo der Mann im Raubtiertrikot den Panther mimt und der starke Mann seine Muskeln präsentiert. Der Beau mit dem abgewetzten Zylinder lässt Taschentücher verschwinden, der Weißclown sammelt Punkte mit seinem melancholischen Augenaufschlag. Gesprochen wird hier wenig, gesungen eher selten.

Beschränkt ist auch das Instrumentarium mit je drei Trompeten und Posaunen und einer mächtigen Basstuba. Weiteren Zutritt haben Exoten wie Ukulele, Blockflöte und Skifflebass. Den Mangel an instrumentaler Vielfalt aber, den gleichen Gansch und Co. locker aus mit ihrem Können.

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