Lade Inhalte...

Max Clouth Aberwitzig ausgereift

Der stilsichere Gitarrist Max Clouth erhält das Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt und gibt in der Romanfabrik ein virtuoses Konzert.

John McLaughlin ist als Pate nicht zu verkennen. Der Gitarrist Max Clouth, der mit dem 27. Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden ist, knüpft recht unmittelbar an den Fusionjazz der Zeit um 1970 herum an. Die jazzdiskursive Keule einer eklektizistisch-epigonalen Rückbezüglichkeit indes möchte man partout stecken lassen. Zu frappierend und hinreißend frisch von der ersten Minute an und gleich bis zur letzten Zugabe ist das in Zusammenarbeit mit der Jazzinitiative ausgerichtete Preisträgerkonzert mit seinem Quartett in der Frankfurter Romanfabrik.

Es ist eine Verbindung mit der indischen klassischen Musik, mit der sich der gebürtige Frankfurter (Jahrgang 1985) in erster Linie beschäftigt. Nach dem Studium der Jazzgitarre an der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden unter anderem bei Norbert Scholly hat er seine Studien bei John Abercrombie sowie in Mumbai fortgesetzt. Die von ihm selbst gemeinsam mit einem befreundeten Instrumentenbauer entwickelte, oben bundlose und unten mit Bünden und Resonanzsaiten versehene akustische Doppelhalsgitarre ist auf eine Annäherung an mittel- und fernöstliche Lauten wie Oud und Sarod hin angelegt.

Seine punktgenauen und dichten, dabei einen improvisatorischen Atem verströmenden Kompositionen, gleich nun ob auf dem akustischen Instrument oder später auch auf der elektrischen Gitarre vorgetragen, sind irrsinnig stilsicher-raffinierte Essenzen einer von lästigen Klischees befreiten, das eine mit dem anderen bruchlos zusammenbringenden indisch-westlichen Verschmelzung. Von schier aberwitziger technischer Ausgereiftheit ist sein lässig-intensives und rasantes Spiel in seiner beiläufigen Virtuosität; im Balladenspiel vermeidet er jeden sentimentalen Zug.

Und mit welch einer brillanten Verve dieses Quartett um den Pianisten und Synthesizerspieler Andrey Shabashov, Markus Wach am Bass und Martin Standke am Schlagzeug aufspielt – eine Wucht! In seinem Klangbild ist das Quartett gerundet wie gleichzeitig durch die auf jeder Position starken Einzelstimmen geprägt.

Tatsächlich offensiv musikalisch in die Vergangenheit orientiert ist der Wiesbadener Pianist Andreas Hertel, der mit seinem allvermögend musizierenden Trio – Lindy Huppertsberg am Bass und Jens Biehl am Schlagzeug - den Abend in der Romanfabrik eröffnete. Das war freundlich-aufgeräumter Triojazz mit Verve von einem rundum formvollendeten Retromodernisten.

Das Preisgeld von 10 000 Euro will Max Clouth für die Produktion eines weiteren Albums – zwei liegen bereits vor – sowie für eine anschließende Tour aufwenden. Das gibt Anlass zu einer gespannten Erwartung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen