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Matisyahu Die Ein-, Aus-, Einladung

Matisyahu soll nun doch beim spanischen Reggae-Festival Rototom Sunsplash auftreten, aber wird er’s tun?

Matisyahu im Juni in Budapest. Foto: dpa

Man kann sich vorstellen, wie Filippo Giunta geflucht und gehadert hat. Der Italiener organisiert Jahr für Jahr das Reggae-Festival Rototom Sunsplash und ist dabei außerordentlich erfolgreich. 2014 kamen 250 000 Besucher nach Benicàssim an der spanischen Mittelmeerküste, um die Stars der Szene zu hören. Dieses Jahr sollte es einen neuen Rekord geben. Darüber redet aber kaum jemand. Sondern darüber, ob die Veranstalter antisemitische Vorurteile hegen. Giunta ist ziemlich verzweifelt.

Den Finger in die Wunde legte am Dienstag die Tageszeitung „El País“ mit einem Artikel auf Seite 1: „Verdächtiger Jude im Spanien des 21. Jahrhunderts“. Eine verheerende Überschrift. Der „verdächtige Jude“ ist der US-amerikanische Sänger Matisyahu, der beim Rototom Sunsplash auftreten sollte und vom Veranstalter wieder ausgeladen worden war. Giunta hatte große Schwierigkeiten, sich zu erklären. Der World Jewish Congress sah einen „klaren Fall von Antisemitismus“, die US-amerikanische Botschaft in Madrid zeigte sich „besorgt“, und Spaniens konservative Regierung glaubte „das Prinzip der Nicht-Diskriminierung“ in Frage gestellt. Nur Podemos und die Vereinte Linke fanden, dass Matisyahu recht geschehe. „Seine Botschaft erschwert den Frieden“, sagte ein Podemos-Sprecher.

Alles ein großes Missverständnis?

Alles ein großes Missverständnis, beteuert Giunta, und man möchte ihm glauben. Eigentlich habe er Matisyahu nur eine goldene Brücke bauen wollen, als er ihn aufforderte, sich in einer öffentlichen Erklärung für den Frieden und einen palästinensischen Staat einzusetzen. Giunta fühlte sich von der antiisraelischen Lobbygruppe „Boycott, Divestment and Sanctions“ unter Druck gesetzt, die es geschafft hatte, andere Teilnehmer des Festivals zur Absage zu bewegen, falls Matisyahu auftreten würde. Giunta wollte ihnen beweisen, dass Matisyahu kein böser Mensch sei, doch seine Idee ging nach hinten los. Die Bitte um ein propalästinensisches Statement „bringt uns in Zeiten zurück, wo man die Reinheit des Blutes belegen musste, um Teil der Gesellschaft zu bleiben“, so „El País“.

Giunta fand das schließlich auch. Am Mittwoch bat er in aller Form um Entschuldigung und lud Matisyahu wieder ein. Der Sänger, der gerade auf Tour in Deutschland und der Tschechischen Republik unterwegs ist, hat auf die Wiedereinladung noch nicht reagiert. „Ich unterstütze Frieden und Mitgefühl für alle Menschen“, schreibt er auf Facebook. „Meine Musik spricht für sich selbst, und ich füge keine Politik in meine Musik ein.“ Doch manchmal mischt sich die Politik ein, ohne dass man sie darum gebeten hat.

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