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Manfred Mann Come on without, come on within

Manfred Mann’s Earth Band rocken in der Frankfurter Batschkapp, nicht nur mit Springsteen- und Dylan-Covern.

20.12.2016 16:32
Volker Schmidt

Manfred Mann hat ein Brett vorm Kopf, sogar mehrere: seine Keyboards. Es gibt wohl wenige Bands, deren Frontmann und sogar Namenspatron über weite Strecken des Konzerts praktisch nicht zu sehen ist. Der Südafrikaner prägt den Sound von Manfred Mann’s Earth Band aus einem sicheren Nest hinter seinen Instrumenten.

Vorn an der Rampe der proppenvollen Frankfurter Batschkapp stehen Gitarrist Mick Rogers, neben Mann das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Band, und Sänger Robert Hart. Der hat eine von diesen hart geräucherten Bluesröhrenverstärkerstimmen, die man immer schon mal gehört zu haben meint. Er war im Umfeld von Whitesnake, Bad Company und The Jones Gang unterwegs, bevor er vor fünf Jahren bei Mann anheuerte.

Manfred Mann’s Earth Band entstand 1971, löste sich 1988 auf, gründete sich 1991 neu, etliche Umbesetzungen inklusive. Auch mehrere Sänger und Sängerinnen hat die Band schon verschlissen, obwohl Gitarrist Rogers selbst gar keine so schlechte Stimme hat. Eine kurze Vokaleinlage von Mann himself, mit dem Rogers sich in der Urformation den Gesang teilte, bleibt dagegen in der Batschkapp nahezu unhörbar.

Die Band mit Steve Kinch am Bass und Jimmy Copley an den Drums lässt sich Zeit mit den ganz großen Klassikern, „Martha’s Madman“ ausgenommen. Erstmal kommen Songs wie „Captain Bobby Stout“ von 1972 oder „Don’t Kill It Carol“. Zeit, die Bluesrock-Kost mit abgefahrenen Soli zu würzen, die auch die Vorgruppe schon ordentlich bedient hat, Xander and the Peace Pirates aus Liverpool. Deren Frontmann Keith Xander, ohne rechten Arm geboren, spielt die Gitarre mit einer Haken-Prothese à la Captain Hook.

Mann lebt seine Tastenkünste meist hinter der Technikbastion aus. Immer mal wieder schreitet er nach vorn, hoch gewachsen und mit Hut. Das High-Tech-Gerät mit Gitarrenhals, das er dann umhängt, ist aber doch nur ein tragbares Keyboard. Mann entlockt ihm nicht nur klassische Hammondklänge, er liefert sich auch regelrechte Gitarren (sound)-Battles mit Rogers. Und er hat eine Vorliebe für der menschlichen Stimme nachempfundene Dahdadapp-Töne.

Bruce-Springsteen-Cover zählen zu den größten Erfolgen der Band, auf der Setlist stehen gleich drei: „Spirit in the Night“, „(I Came) For You“ und „Blinded by the Light“ – womit die Band bei ihren ganz großen Hits angelangt ist. Zwischendurch holen die Musiker „Get It On“ von den T.Rex-Glamrock-Plateausohlen, und beim „Cannon Ball Rag“ tobt sich Rogers solistisch auf eierschneiderscheppernd gepickten Saiten aus.

Nach „Davy’s on the Road Again“ eröffnet Rogers solo die Zugaben. Artig intoniert das Publikum „Stille Nacht“, dann folgen „Dooh Wah Diddy Diddy“ und „Shake, Rattle and Roll“. Sowie – wieder mit Band – der dritte Bob-Dylan-Song im Programm (nach „You Angel You“ und „Father of Day, Father of Night“). Hunderte Kehlen singen in seliger Nostalgie noch lange: „Come on without / Come on within / You’ll not see nothing like the Mighty Quinn“.

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