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Mainzer Nordmole Mark Knopfler spielt gegen das Wetter

Wenn der Gitarrengott bimmelt: Der ehemalige Dire-Straits-Frontmann Mark Knopfler bespielt trotz widriger Umstände die Mainzer Nordmole.

21.06.2015 16:37
Volker Schmidt
Mark Knopfler, hier unter besseren Bedingungen, auf einem Festival in Cordoba. Foto: rtr

Zugegeben, es ist ganz schön schwer, ein klammes, kaltes Publikum an einem unverschämt trüben Juniabend am windigen Rheinufer auf Touren zu bringen. Daran kann selbst eine erfahrene Rampensau scheitern. Und erst recht jemand wie Mark Knopfler, der seine Shows eher zurückhaltend zu spielen pflegt, ohne nach Effekt zu haschen.

Vielleicht haben es die vorderen Reihen auf der leider bestuhlten Mainzer Nordmole gar nicht so empfunden, näher an der Bühne, im wärmenden Lichtbad. Er hat ja gut gespielt, der ehemalige Dire-Straits-Frontmann. „Er bimmelt wieder“, nennt eine Sitznachbarin die schnellen bronzenen Phrasen, die er so gern hinwirft. Er hat tolle Musiker dabei, die mit Geige, Flöte und Cister (eine Art Laute) Folk-Feeling einstreuen.

Aber weiter hinten auf dem Gelände kommen die Funken nicht an. Selbst ein Gitarrengott braucht Unterstützung vom Wetter, vom Drumherum. Das stimmt an diesem Tag nicht recht. Wahrscheinlich liegt es am böigen Wind, dass der Klang schwankt, mal dumpf bleibt, mal das Knopflersche Picking gar zu scharfkantig aus dem Band-Sound reißt. Zumindest ab dem Mittelfeld der Stuhlreihen entwickelt der Sound zu wenig Power, um die Aufmerksamkeit zu fesseln.

Wahrscheinlich ist es ein bisschen frustrierend für einen erfolgreichen Solo-Künstler, dass so viele nur auf ein paar Takte Dire Straits warten. Mit seinem letzten Album „Privateering“, dem siebten im Alleingang, war er in den europäischen Top Ten überall gut platziert, das neue, „Tracker“, liegt jetzt vor. Es sind größtenteils versonnene, nachdenkliche, nicht gerade rasante Songs darauf, die zwar zum Herbstwetter im Mainzer Juni passen, aber eben kaum Zümndmaterial für die Stimmungskanone abgeben. Knopfler hätte es sich einfach machen können. Er hätte die Setlist schreddern und ein Dire-Straits-Revival-Konzert spielen können. Jede Wette: Dann wäre mehr abgegangen auf der Mole. Große Teile des Publikums sind Dire-Straits-Generation. Und sich dessen durchaus bewusst: „Ich halt ja nix von bestuhlten Konzerten – obwohl, in unserm Alter lernt mers zu schätze.“

Knopfler ist zuletzt mit Bob Dylan um die Welt getourt (auf die Mainzer Bühne kommt His Bobness einen Tag später, s. S. 22). Er hat mehr vor, als alte Hits zu reproduzieren. Kein „Money for Nothing“, kein „Walk Of Life“, kein „Tunnel Of Love“. Die glänzende Dobro-Gitarre vom Cover des legendären „Brothers in Arms“-Albums nimmt er ein paarmal vor, „Romeo und Juliet“ spielt er, „Sultans of Swing“ und bei den Zugaben „So Far Away From Me“. Und eine dank der Folk-Einsprengsel großartige Version von „Telegraph Road“, der Kurzoper über den Aufstieg und Fall der Autostadt Detroit.

Schon aus Prinzip ist zu loben, dass Knopfler seinen Weg geht, Country-beeinflusst, eher introvertiert, und sein Konzert mit Songs wie „Privateering“, „Postcards from Paraguay“ und „Skydiver“ bestreitet. Den Ausklang gibt denn auch ein wunderschönes „Piper To The End“. Aber so ein bisschen „Private Investigations“, ein klein wenig „Twisting By The Pool“ hätte halt so schön gewärmt.

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