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Linkin Park Gut gelaunt trauern

Mike Shinoda spielt in der Stadthalle Offenbach und spricht mit seinen Fans. Der Name Chester Bennington steht im Raum, aber er fällt fast nie.

Mike Shinoda
Mike Shinoda. Foto: afp

Geht das, ein Konzert als Gruppentherapie? Und kann man trauern und trotzdem Spaß haben? Im Falle des Musikers Mike Shinoda und seiner Fans scheint es zu funktionieren.

Shinoda gibt bei der sehr erfolgreichen Gruppe Linkin Park seit Jahren den Ton an. Mitte vergangenen Jahres hatte er nach dem Suizid des langjährigen Linkin-Park-Sängers und Freundes Chester Bennington noch mit dem Gedanken gespielt, nie mehr Musik zu machen. Kurz darauf entschloss er sich aber, die Trauer mit einigen Songs zu verarbeiten. Daraus entstand seine Solo-CD „Post Traumatic“ mit Liedern mit – naturgemäß – eher traurigen Titeln („Watching As I Fall“, „Nothing Makes Sense“ etc). Anschließend ging er auf Tour, die ihn nun nach Offenbach führte.

In der Stadthalle zeigt Shinoda, dass er kein Trauerkloß ist. Er legt gleich los mit druckvollem Rap und wechselt zu poppigeren Songs und zurück und verwandelt die gutgefüllte Halle mit seinen Fans schnell in eine Art Sauna. Ein Konzert der besonderen Art wird es aber nicht nur, weil er die unterschiedlichen Stimmungen und Phasen von Trauer beschreibt. Er erzählt in den Songs von der Niedergeschlagenheit, der Unfähigkeit, sich zu freuen, dem schlechten Gewissen, wenn er sich dann doch mal gut fühlt – kurz davon, wie ihm die Nachricht vom Tod Benningtons den Boden unter den Füßen wegzog und wie er langsam wieder auf die Beine kam. Shinoda trauert eben nicht im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich. Er spricht in Interviews über den Verlust und singt darüber. Auf diese Weise können auch die Fans ihres Idols gedenken und so von ihm Abschied nehmen.

Besonders wird der Auftritt aber auch, weil er viel mit seinem Publikum spricht. Er erzählt, dass er in Interviews fast ausschließlich zur Trauer befragt werde. Doch für ihn sei das Wichtige bei dem Album-Titel nicht das „Traumatic“, sondern das „Post“, das Danach.

Shinoda singt auch viel mit seinem Publikum und macht es so stärker als üblich zum Teil der Show. Die wohl emotionalsten Titel an diesem Abend sind die Linkin-Park-Hits „Numb“ und „In the End“. Dafür hat er Josie Stickdorn auf die Bühne geholt. Auf sie ist Shinoda bei Instagram gestoßen, wo ein Video von ihr zu hören ist. Shinoda fand heraus, dass sie „von hier ist“. Nun lässt er sie „Numb“ mit ihrer akustischen Gitarre spielen, und das Publikum singt den Text von Anfang bis Ende, während Shinoda still zuschaut. Anschließend spielt Shinoda „In the End“ mit seinem Bühnengast.

Und diesmal fordert Shinoda das Publikum bei diesem Titel nicht dazu auf, den Part Benningtons zu übernehmen. Zu Lebzeiten des Sängers war das Teil unzähliger Linkin Park-Auftritte. Bei seiner aktuellen Tournee hat er während vorangegangener Auftritten das Ritual aufgegriffen, in Offenbach allerdings nicht.

Überhaupt fäll auf, dass Shinoda den Namen seines Freundes Bennington so gut wie gar nicht erwähnt an diesem Abend in der Stadthalle. Es scheint, als hätte Shinoda bereits vieles verarbeitet und könnte auch deshalb gut gelaunt von der Bühne gehen.

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