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Liedermacher Walter Mossmann Zum Tod von Walter Mossmann

Der Empörung eine Stimme geben: Walter Mossmann, der alemannische Sänger der Protestbewegung, ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Der Liedermacher Walter Mossmann ist tot. Foto: imago stock&people

Das Alemannische gehört in Südbaden heute zum guten Ton. Das war nicht immer so. Anders als beim Honoratioren-Schwäbisch war das Idiom nicht die Ausdrucksweise von „denen da oben“, sondern der Bauern und Winzer.

Populär aber wurde die Mundart erst, als sie zur Sprache des Widerstands gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl wurde. Gegen die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung taten sich Landwirte, Städter und Studenten zusammen.

Der Protest gegen den Atommeiler wurde so etwas wie die Geburtsstunde der Umweltbewegung in der Bundesrepublik. Und einer der sprachmächtigsten Streiter gegen Obrigkeit und Fortschrittswahn war ein Sänger: Walter Mossmann.

Ob bei der Besetzung des Bauplatzes am Rhein, in den Dörfern des Kaiserstuhls oder den Studenten-Kneipen in Freiburg: Der Lockenkopf mit der akustischen Gitarre und dem tiefen rauen Timbre gab der Empörung über das Vorhaben eine Stimme – und seine Lieder.

In Karlsruhe geboren, war er als Kind nach Freiburg gekommen und hatte dort sowie in Tübingen und Hamburg studiert. Er hatte schon Mitte der sechziger Jahre beim Folklore-Fest auf der Burg Waldeck von sich reden gemacht mit seinen Liedern. Anfang der siebziger Jahre endete seine Arbeit als Moderator beim damaligen Südwestfunk im Streit: Walter Mossmann war den Sendergewaltigen zu kritisch.

Er war ein scharf denkender Kopf, hatte ein Gespür für die Schwingungen des Umbruchs, der sich in der Losung „s Eige zeige“ manifestierte. Mossmann dichtete das alemannische Volkslied „In Mueders Stübele“ um zu einem Song des Widerstands um und gab der Bewegung eine kleine Hymne mit „Die Wacht am Rhein“.

Die Verständigung unter den Widerständlern

Die Musik war elementarer Bestandteil der Verständigung der so heterogenen Gruppen des Widerstands im „Dreyeckland“ zwischen Südbaden, Elsass und der Nordschweiz. Walter Mossmann, sein Kollege „Buki“, das Orchester „Rote Note“ mit Freia Hoffmann und Mechthild Fuchs, sie belebten die politische Diskussion mit Worten und Klängen. Die damals geforderte „Gegenöffentlichkeit“ führte auch zur Gründung von politischen Piratensendern. So geht auf Mossmanns Idee auch das „Radio Dreyeckland“ zurück, heute das älteste freie Radio der Republik.

Der Sänger und Autor blieb auch nach dem Erfolg der Badener politisch im regionalen Widerstand geerdet. Er lieh seine Stimme und sein Engagement zum Beispiel dem Protest der französischen Bauern im Larzac, das zum militärischen Testgebiet werden sollte, und der Bewegung gegen das geplante Atommülllager in Gorleben.

Seine Kompositionen wie die „Flugblattlieder“ veröffentlichte er zum Beispiel im linken Trikont-Verlag. 1981 bekam er den Deutschen Kleinkunstpreis, 2004 wurde er für sein Lebenswerk mit dem „Ehren-Ruth“ ausgezeichnet.

In den neunziger Jahren zerstörte der Krebs seine Stimme, dem er jetzt im Alter von 73 Jahren in Breisach erlegen ist.

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