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Liederabend Traulich ist es nur in der Tiefe

Der Bass Günther Groissböck mit einem Liederabend in Frankfurts Oper.

Liederabend Günther Groissboeck (Bass) | Malcom Martineau (Klavier)
Günther Groissböck und Pianist Malcom Martineau. Foto: Barbara Aumüller

Liederabende mit Bassstimmen: eher eine Seltenheit und fast immer ein Erlebnis, weil man Riesen bei Filigranarbeiten erlebt. Das ist zunächst wie ein Widerspruch in sich, aber nicht für die Riesen, die sich hoffentlich ausgezeichnet vorbereitet haben und den Raum nicht sprengen, sondern füllen, in beständiger Zügelung ihrer Riesenhaftigkeit. Den vertrautesten Werken geben sie eine Tiefe, von der Baritonanhänger gar nicht wissen konnten, dass sie sie bisher vermisst haben.

Zum Auftakt der Liederabendserie im Frankfurter Opernhaus nun also der große österreichische Bass Günther Groissböck mit einem viele Facetten umschließenden Programm und einem sensationellen Abgang. Dass Groissböck, der in ein paar Tagen 42 wird, erkältet war, es aber erst einmal habe versuchen wollen, erzählte er erst hinterher, ad hoc mit heimatlichem Zungenschlag und mit Erleichterung, weil alles nun ganz gut gegangen sei (o ja). Dass dem Abend etwas Empfindliches anhaftete, eine gewisse Vorsicht des Sängers – nebst rühriger und rührender Verwendung eines Spickzettels im Flügel –, hatte zuvor eher den Reiz erhöht. Kein Abschnurren eines Programms, stattdessen ein Vorantasten, ein ausgezeichnet gelingendes.

Tatsächlich noch fast überformatig wirkten Johannes Brahms’ „Vier ernste Lieder“, die dafür aber den Bass ausdrücklich voraussetzen, damit die elende, jedoch unabwendbare Sterblichkeit des Menschen mit rechter Wucht sich darbiete. Ja, man zog seinen Kopf wohl ein, auch wenn man sich nicht gerne anschreien lässt, wenn es doch am Ende nicht zuletzt um Liebe geht. Der geforderte und gelassene Pianist Malcolm Martineau wurde zu diesem Zeitpunkt regelrecht beiseite gedrückt. Umso imposanter dann der fabelhaft fein ausgearbeitete Liederkreis op. 39 von Robert Schumann, Kernrepertoire eines jeden Liedsängers und entsprechend ein Risiko aus der ungewohnteren Lage heraus. Groissböck aber nun ein anderer, Wörter und Wendungen sanft und flink modellierend, eine strenge Lorelei, ein behutsamer Mondnachtbetrachter – die „Mondnacht“, als sei es wirklich nur traulich in der Tiefe – und ein gewiefter Geschichtenerzähler. Dies etwa im Meisterstück „Auf einer Burg“, in dessen erstem Teil sich höhere Stimmlagen einen kleinen Zwang antun müssen. Die eigenartige Nummer „Zwielicht“: mit opernhafter Verve, aber konzertwürdiger Beherrschung.

Nach der Pause waren Lieder von Peter Tschaikowski und Sergei Rachmaninow perfekter Stoff für alle Register eines beweglichen Basses. Noch prächtiger als die sonoren Nummern wirkten die stark belebten, allen voran Tschaikowskis untergründig schon tragisch gehetztes „Ständchen des Don Juan“ (mit noch über den Sänger hinaus bereits weiterjagendem Klavier, raffiniert).

So, und anschließend sang Günther Groissböck den Schluss der „Walküre“, als Luxuszugabe und als Work in Progress. Für 2020 ist er als Bayreuther Wotan angekündigt, ein enormer Ort für ein solches Rollendebüt. Der probierende Groissböck aber jetzt mit hinreißend warmer, samtener Kraft. Man verstand seinen Interviewsatz „Der Wotan sollte meiner Meinung nach von der unteren Lage her kommen“ aus dem Stand. Hart, nicht sofort mehr davon zu hören.

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