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Liederabend mit Saskia Bladt Mondnacht im Innenraum

Der eigenwillige, Grenzen generell überschreitende Liederabend „Still“ im Goethe-Haus Frankfurt.

Ein Liederabend namens „Still“ ist kein Paradox. Die Frage nach der Stille ist ein integraler Bestandteil von Musik, auch muss das Publikum still sein. Komponistin Saskia Bladt sprach vorab aus, was im Konzertsaal sonst selten gesagt wird: Wer jetzt noch hustet oder mit einem Zettel raschelt, wird Teil des Geschehens. Man könnte hinzufügen: Wer jetzt noch mit den Füßen scharrt. Wer jetzt noch atmet.

Die Neue Musik, die häufig unberechenbarer wirkt – aber nur wegen der Ahnungslosigkeit der Zuhörenden – hatte tatsächlich eine außergewöhnliche Ruhe im Publikum zur Folge, das am ehesten ins vertraute Terrain eines Schumann-Liedes hineinhustete, hurtig und scheu.

Das Lied „Mondnacht“ war es, und eine künstliche Mondnacht herrschte auch im Arkadensaal des Frankfurter Goethe-Hauses vor, wo „ein neuer romantischer Liederabend“ von einer kleinen Künstlergruppe um Bladt und Martin Spura (Dramaturgie) herum zu sehen und zu hören war. Die eben erst aus Rom zurückgekehrte Villa-Massimo-Stipendiatin Bladt, 1981 in Bensheim geboren, hatte den Abend schon in Rom zeigen können, ein dezentes Theaterkonzert mit wechselnden Lichtverhältnissen und einem eigenwilligen Wickelkostüm für die Musikerin Emily Yabe (Bratsche und Violine).

Astronomisch und astrologisch

Ein kurzes Vorgespräch lud die Situation eigentlich unheimlich auf, auch astronomisch und astrologisch, wofür man als Laie vermutlich doch mehr Informationen gebraucht hätte. Das Konzert war dann aber doch einfach ein gutes, interessantes Konzert, das Grenzen von Musikstücken generell überschritt. Die schärfsten und damit auch durchaus romantischsten Momente waren die, in denen das Neue und das Vertraute aufeinandertrafen, -knallten. Wenn der Bariton Chasper-Curò Mani und der Pianist Jens Fuhr wie ad hoc (von Saskia Bladt aber raffiniert eingefädelt) den bekannten Boden verließen und in ferne Welten der Klangerzeugung aufbrachen. Wie Neue Musik den ganzen Menschen fordert, demonstrierte auch Yabe, atmend, sprechend.

Unauffällig – möglicherweise nicht für die Nähersitzenden – blieb der Einsatz von Bildender Kunst in Form einer Installation mit Steinen (aus der Villa Massimo, so Bladt) und Sand (aus Ostia, so Bladt).

Das Programm stand auf einem Pappbecher, in dem Tee gereicht wurde, der nach ganz wenig schmeckte, aber dermaßen nach Sommer roch, dass es kaum auszuhalten war.

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