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Lautten Compagney im Rheingau Leiden schaffende Liebe

Die Lautten Compagney mit "Love's Madness" und der Sopranistin Dorothee Mields beim Rheingau Festival in Kloster Eberbach.

01.07.2016 16:02
Bernhard Uske
Die Lautten Compagney im Rheingau. Foto: RMF/Ansgar Klostermann

Love’s Madness“ war das Thema des Auftritts der Sopranistin Dorothee Mields gemeinsam mit der Lautten Compagney Berlin beim Rheingau Musik Festival. Englische Musik des 17. Jahrhunderts stand auf dem Programm mit sowohl volkstümlichen Liedern als auch mit Arien, darunter viele von Henry Purcell, der das Format des melancholischen Sensualismus auf der Insel maßgeblich bestimmte.

Mit „Bedlam Boys“, einem Volkslied begann der Abend im Kloster Eberbach; später folgte „Bess of Bedlam“ von Purcell. Bedlam war insgesamt eine beziehungsreiche Klammer des Programms, denn das damalige Irrenhaus vor den Toren Londons trug den Namen Bethlehem Hospital und Bedlam wurde zum Synonym für alle Arten von Wahn und Chaos. Auch als eine Art kreatives Handwerkszeug aller Arten normabweichender, wahnsinnsgesteuerter Affektivität, das sich als Anregung für die Verwirrungen und Verrücktheiten der Leiden schaffenden Liebe bestens nutzen ließ. Ein musikalisches Freak-Potential gewissermaßen – lange vor seiner heutigen ästhetischen Bewirtschaftungsform.

Bedlam und Mad Song: auch im Frühbarock zielte ein spezielles Segment der musikalischen Produktion auf Normabweichendes, Monströses und Desaströses. Den heutigen Negativitätsbedarf gab es anscheinend damals auch schon. Zwischenzeitlich hatte auch Igor Strawinsky das Bedlam-Format genutzt – in seiner Oper „The Rake’s Progress“, wo dem Titelhelden seine Apotheose in der geschlossenen Abteilung von Bedlam höchst ironisch widerfährt.

Im Laiendormitorium des Klosters musste man schon mächtig seine Phantasie anstrengen, um den Hype der damaligen Mad Songs nachzuvollziehen. Immerhin bot die Lautten Compagney bei dem einen und anderen der gut dreißig Programmposten des Konzerts manche lautmalerische, geräusch-affine Klangfigur. Aber die dezente, die gebundene und auch wahrhaft historisch entfernte Atmosphäre der Musik wurde von den zehn Musikern nicht allzu sehr ins Exzentrische und Exzessive getrieben. Immerhin kamen die vielen Stimmungswechsel, die oft unvermittelt nebeneinander stehen, gut zur Geltung.

Die Sängerin Dorothee Mields setzte sehr souverän ihre Stimme in den ruhigen, lyrischen Partien ein; ihr Programm bringt sie schon auf der CD „Love’s Madness“ mit den Lautten-Musikern zu Gehör. Jetzt störte das Vom-Blatt-Singen des Wahnsinns mit zum Teil im Takt bewegten Gesten und eine unvermittelte, direkt ans Publikum adressierte Aufgeregtheitspose.

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