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Kool Savas und Sido Sind sie böse, sind sie harmlos?

Kool Savas und Sido gemeinsam in der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sie auch ihr Publikum verspotten.

Dein erstes Konzert?“ „Nein. Das erste von Savas.“ Sie sind um die dreißig. Ihre Freundinnen reden über die Riester-Rente. Sie trinken Sekt aus Plastik. Das Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle ist das dritte gemeinsame von Kool Savas und Sido, die vor Monaten das gemeinsame Album „Royal Bunker“ herausgebracht haben. Der „Royal Bunker“ war ursprünglich mal eine Berliner Kneipe mit Open Mic, später diente sie als Namensgeber für das gleichnamige Label, geführt von Marcus Staiger. Darauf veröffentlichte quasi die komplette Berliner Szene ab 2000, Battle Rap und Gangsta Rap in deutscher Sprache wurden groß in den Jahren danach. Auch Kool Savas und Sido veröffentlichten hier.

Auf der Bühne ist es vor allem Sido, der ausdauernd die Bezüge herstellt, sich zigfach bedankt bei Savas, als Rapfan sei das hier für ihn großartig. Sido wirkt wie der Verwalter, der den Besitz und die Historie zusammenhält, er schaut zurück, wünscht sich von Savas die alten Tracks. Der wiederum nennt sie alte Kamellen, das ist die Spannung, die diese Show aushalten kann. Sie seien die Alten und gönnten den Jungen den Erfolg. Der Unterschied sei, sie wüssten, wovon sie erzählen. Alles echt, alles aus dem Leben. Sido: „Deswegen spielen wir…“. „Arschficksong!“ ruft einer rein.

Früh spielt Savas „Lutsch mein Schwanz“, die Leute machen mit, man hört nur die Männer. Sido spielt „Der Himmel soll warten“, mit der scheußlichen Hook von Adel Tawil. Das geht durch als Sound der Großen Koalition. Der HipHop ist in den letzten Jahren softer geworden, der dominierende Cloud Rap ist weggeschossen und schleppend, in den Texten bluten die Herzen und nicht mehr die Visagen der Gegner, die virtuose Raptechnik ist in den Hintergrund getreten. Der Konkurrenzgedanke, der den Battle Rap noch bestimmt, hat an Bedeutung verloren.

Vor Monaten sprachen Savas und Sido im Deutschlandfunk über ihre Zusammenarbeit. Dafür bekamen sie eine halbe Stunde Ahnungslosigkeit um die Ohren. Sie werden gefragt, ob sie Deutschlandfunk Kultur kennen. Ob sich Savas nicht für einen Text wie „LMS“ schäme. Und dann, widersprüchlich von Kopf bis Fuß, die These, was da jetzt käme, sei doch wie Fanta 4 und Cro. Also, was nun? Zu böse oder doch zu harmlos? Vielleicht ja auch nah dran?

Ein komplexes Bild dafür finden sie auf dem Konzert, als Sido „Mein Block“ spielt, da steht er gegenüber der Bühne auf den Rängen, über den Stehplätzen. Und er mokiert sich gespielt über die verkrampften Leute auf den teuren Plätzen, die könnten wohl nicht so wie die da unten. Und dann stellt er ziemlich unschön mit den Scheinwerfern auf ihnen und dem Mikro vor dem Gesicht einzelne Leute bloß.

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