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Konzert in Köln Beyoncé und Jay-Z zelebrieren ihre Ehe

Beyoncé und Jay-Z, das Herrscherpaar des Pop, zelebrieren ihre gerettete Beziehung in Köln-Müngersdorf.

Ohio
Wie elektrisiert, wenn auch hier nicht im Kölner Rhein-Energie-Stadion, sondern in Ohio. Foto: rtr

Ehen, sagt man, werden im Himmel geschlossen, im Auto gehen sie auseinander. Oder, wie im Fall der Sängerin Beyoncé Knowles-Carter und ihres Mannes, des Rappers Shawn Carter, besser bekannt als Jay-Z, im Fahrstuhl.

Als im Mai des Jahres 2014 Bilder einer Überwachungskamera an die Öffentlichkeit gelangten, welche zeigten, wie Beyoncés jüngere Schwester Solange einen völlig perplexen Jay-Z nach dem gemeinsamen Besuch der Met Gala im Fahrstuhl abwärts mit Fäusten attackierte, während seine Gattin keine Anstalten machte, den Angriff zu unterbinden, nahm die größte Ehesaga des 21. Jahrhunderts ihren Anfang.

Jay-Z betrog Beyoncé

Was man damals freilich nicht ahnen konnte. Na gut, hatte der alte „street hustler“ also seine Frau betrogen, angeblich. Das hatte man doch mehr oder weniger erwartet. Der unweigerlich folgende Scheidungskrieg wäre dann immerhin saftiges „Gala“-Material. Dachte man. Doch das Haus Carter schottete sich ab wie das Haus Windsor.

Bis Ms. Carter fast zwei Jahre später mit ihrem sechsten Album „Lemonade“ endlich ihre Karten auf den Tisch legte. Doch statt ein Trennungsalbum aufzunehmen, wie es in der Popmusikgeschichte schon Hunderte gab, gelang es der gedemütigten Gattin, ihren persönlichen Schmerz mittels der trauernden Mütter von der Polizei getöteter schwarzer Jugendlicher an die Black-Lives-Matter-Bewegung anzuschließen. Das wirkte keinesfalls frivol, im Gegenteil: Der größte schwarze Superstar, bis dahin notorisch unpolitisch, hatte zur rechten Zeit Farbe bekannt.

Plötzlich war aus einer Klatschgeschichte eine politische Erzählung geworden, nein ein historischer Fortsetzungsroman, denn im Jahr darauf veröffentlichte Jay-Z mit „4:44“ ein Album, das nicht einfach seine Sicht der Ereignisse schilderte, sondern ein zerknirschtes mea culpa mit einer langen Reflektion über die beiden Hindernisse verband, die schwarzen Männern in Amerika bis heute ein Leben in wahrer Freiheit verwehren, nämlich ihr toxisches Männlichkeitsverständnis und den weiterhin grassierenden Rassismus in einem Land, in dem der Staat seinen Bürgern dunklerer Hautfarbe keine körperliche Unversehrtheit garantieren kann und will.

Es ist also mehr als nur die weitere Folge einer glamourösen Seifenoper, wenn Jay-Z und Beyoncé im Kölner Rhein-Energie-Stadion vor 50.000 Zuschauern erneut ihre wiedergewonnene Liebe und Relevanz feiern. „This is real life“, dies ist das richtige Leben, verspricht die Schrift auf der riesigen LED-Wand. Schon füllen Heimvideos der Familie Carter den Bildschirm, oder zumindest aufwendig nachgestellte und mit viel Symbolkraft aufgeladene Heimvideos.

Ironischerweise nimmt das Paar noch einmal den Fahrstuhl abwärts. Diesmal fährt es vom obersten Stockwerk des hinter dem Videoscreen verborgenen Gerüsts direkt auf die Bühne. Beyoncé trägt ein silberglitzerndes Pailletten-Minikleid, Jay-Z einen weißen Anzug und hat zum ersten Mal in seinem Berufsleben sein Haar lang wachsen lassen, jetzt sieht er auch aus wie ein neuer, sanfterer Mann. Dazu passt auch, dass er sich häufiger umzieht und die größeren Schmuckgehänge trägt.

Erstes gemeinsames Album „Everything is love“

Schon geht sie los, die Ehe-Show. Der Rap-CEO warnt in „Holy Grail“ vor der dünnhäutigen Blase des Ruhms, erwähnt Kurt Cobain als mahnendes Beispiel – prompt bricht Beyoncé in den Refrain von „Smells Like Teen Spirit“ aus, eine Urgewalt, die an diesem Abend noch einige Mal Köln-Müngersdorf zum Beben bringt. Dann schreiten sie, ganz Herrscherpaar, zu den Klängen von „Bonnie & Clyde“ je einen von zwei parallel zueinander verlaufenen Stegen ab.

Das war damals, 2003, ihre erste Zusammenarbeit und sie markiert auch den Anfang ihrer Beziehung. Laut offiziellem Motto befinden sie sich weiterhin „on the run“, es ist bereits die zweite Tournee unter diesem Titel, tatsächlich sind sie mit ihrer fünfköpfigen Milliardärsfamilie längst sesshaft geworden.

Vor 14 Tagen haben die Carters mit „Everything Is Love“ ihr erstes gemeinsames Album veröffentlicht, quasi die Synthese zur These und Antithese von „Lemonade“ und „4:44“. Tatsächlich arbeitete man gleichzeitig an allen drei Alben, der echte Ehekrach wurde also nicht in Echtzeit vorm Publikum ausgespielt.

Noch haben sie keines der neuen Stücke in die Show eingebaut, was vor allem deshalb schade ist, weil Beyoncé hier als Rapperin reüssiert, die ihren Mann auf dessen eigenem Platz schlagen kann. Zumeist aber wechseln sie sich nahtlos ab, gönnen dem jeweils anderen das Rampenlicht: Jay-Z darf einmal mehr seine „99 Problems“ abzählen und dabei als Gangster der Reserve eine Kevlarweste tragen; Beyoncé sich im schwarzen Latexbody räkeln und als „Naughty Girl“ inszenieren. Szenen einer Ehe.

„This is real love“ verkündet die LED-Schrift

Zuvor hatte sich die riesige LED-Wand geteilt wie das Rote Meer und den Blick auf den über vier Stockwerke verteilten Hofstaat freigegeben: Schlagzeuger, Gitarristen, Streicher, Tänzer und eine ganze Marching Band in knallroten Uniformen. Langsam, aber stetig nimmt die Show Fahrt auf, der Druck, das ungemein Zwingende von Beyoncés „Formation“-Solotour ist fort, in Köln sieht man gewissermaßen die Ehrenrunde. Immerhin teilen die Carters ihren Triumph mit der Welt.

Klar, gegen stolze Eintrittspreise. Aber dafür mit klaren, gleichwohl nie bis zu Banalität reduzierten Botschaften. Ob nun Beyoncé in „Formation“ weibliche Solidarität und Bildungswillen fordert, oder Jay-Z in „The Story of O. J.“ rassistische Klischees zum Nina-Simone-Sample auf links dreht und das Hohelied der finanziellen Unabhängigkeit singt, für ein Stadionevent mit meterhohen Feuerstößen und hydraulischen Bühnen ist das hier eine erstaunlich reflektierte Angelegenheit. Und noch immer singt und tanzt Beyoncé mit der mühelosen Virtuosität einer Göttin und dirigiert Jay-Z die Massen mit scheinbar selbstverständlicher Autorität.

„This is real love“ verkündet die LED-Schrift zum Finale, das hochherrschaftliche Paar steht ganz in Gold und Königsblau gewandet auf einer erhobenen Bühne inmitten des, nein: ihres Spielfeldes, lächelt sich wissend zu und singt „Forever Young“, die alte Schmachtnummer der Münsteraner Band Alphaville. Könnte kitschig sein. Ist aber echt. Oder wenigstens echt gut gemacht.

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