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Kollegah und Farid Bang Kraftlose Mackergeschichten

Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang sind in der Frankfurter Batschkapp etwas zu leise für den eigenen Anspruch.

Kollegah auf dem Splash Festival
Kollegah, hier noch solo auf dem Splash Festival, in der Batschkapp unterstützt von Farid Bang. Foto: imago

Einlass ist ab achtzehn Uhr. Wir trinken nachher Bier mit Jens, er stand um Fünf in der Schlange. Für zwei Stunden im Regen. Vor uns redet einer auf die Security ein, er habe Kollegah angeschrieben, der habe ihn eingeladen, er müsse auf der Gästeliste stehen. Die Unterhemden kosten zwanzig Euro, „Jung, brutal, gutaussehend“ steht darauf. Der Titel der gemeinsamen Alben von Kollegah und Farid Bang. Die Frankfurter Batschkapp ist restlos ausverkauft. Nur Männer. Das Verhältnis ist vielleicht zwanzig zu eins. Und das bei den Rappern, die so viel vögeln, „no homo“.

Vor dem Konzert läuft endlos Klamottenwerbung, Thug Life. Ein Rabattcode erscheint in riesigen Lettern. Die Jungs sind aufgepumpt und zeigen es. Kollegah verdient sein Geld zusätzlich mit seinem Fitnessprogramm, der „Bosstransformation“. Und seit Jahren befehden sich diverse „Fitnessyoutuber“ mit Gangsta-Rappern wie Fler und Kollegah und Farid Bang, dabei entstehen absurd-witzige Videos aus einer Parallelwelt, die man für maximal leer halten kann.

Aber zumindest Kollegah hielt ich bis dato immer für einen Satiriker mit Liebe zu seinem Gegenstand, der seine Posen von Härte und Stärke und Potenz in jedem entspannten Interview mit Selbstironie zersägte. Videos auf Schlössern, mit Bulldoggen und Maschinengewehren und Monster Trucks, das gefiele einem Vierjährigen und es ist so drüber, dass der Fetisch der „Realness“ auf angenehme Weise sabotiert wird. Das Schauspiel leugnet nicht, Schauspiel zu sein. Das ist bewusst gesetzt.

Dass das jedoch live selten funktioniert, liegt daran, dass die ganzen Mackergeschichten so kraftlos klingen: Es ist viel zu leise, der Bass klatscht nicht, beide bewegen sich keinen Meter, keine Line ist zu verstehen. Und so unterläuft es permanent, wovon sie rappen: Breit sein, laut sein, Raum einnehmen, Muskeln haben, „alles zerbersten“.

Boss und Banger reiten den Hype

Wirklich witzig sind im Mittelteil zwei Songs, die sich an die Hypes dranschmiegen und im Vorbeigehen vorführen, wie simpel es geht: „Zieh den Rucksack aus“ baut präzise den hookverliebten Afro-Trap nach, Farid und Kollegah in Fußballtrikots und mit Brustbeutel, „Wat is’ denn los mit dir?“ macht den Electro-Trash der Atzen nach.

Später holen Kollegah und Farid Bang ein paar Männer aus dem Publikum, die zeigen ihre Muskeln am Boxautomaten, wer schlägt am härtesten zu? Farid Bang gewinnt. Zwischendrin machen sie so etwas wie Stand Up Comedy, mal verkorkst, mal ganz witzig. Farid Bang will die Handys leuchten sehen, Farid Bang will entblößte Brüste sehen. Ich warte auf den Eisverkäufer, der durch die Reihen geht. Kollegah: „2017 war ein seltsames Jahr, die ganze Verschwulung, Auto Tune, und wir haben einfach das gemacht, was wir schon immer machen.“ Er meint den Cloud und Emo Rap, die Jungs haben keine Muskeln mehr und sie träumen davon, zu sterben. Und sie machen weiter, der „Boss“ und der „Banger“.

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