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King Gizzard Eine Rock-Show als große Oper

Rattlesnake! King Gizzard & the Lizard Wizard in der Frankfurter Batschkapp .

I am the Lizard King / I can do anything“, dichtete Jim Morrison. Eine hybride Selbstbeschreibung, mehr noch: eine zarathustrische Anmaßung, zugleich typisch für die Zeit, in der sie entstand. Die späten sechziger, frühen siebziger Jahre, als Musik antrat, alle Grenzen zu sprengen. Wer sich King Gizzard & the Lizard Wizard nennt, spielt schon hier mit diesen Referenzen. Ihre Musik ist eine Retrowundertüte, Highspeed Psychedelic Rock, Heavy Prog, Krautrock, zugleich eine ganz eigenwillige Idee von Soul – Musik von gestern, aber doch eben ganz da im Hier und Jetzt.

Das Septett aus Australien ist eine Workaholic-Hydra. Allein im letzten Jahr erschienen fünf (!) Alben. Wie das genau geht, weiß niemand. Wer das allein mit eruptiver Unmittelbarkeit oder dem alten Ideal des Einfach-Mal-Machen erklärt, verkennt die Präzision, mit der King Gizzard & the Lizard Wizard arbeiten. Die meisten Veröffentlichungen sind viel eher genau kalkulierte Konzeptalben, wie auch Mastermind Stu Mackenzie erklärt: „Ich nehme nicht einfach die Gitarre und lege los. Ich brauche eine Art Umriss. Ich muss den Weg kennen, bevor ich losgehe.“

In der Frankfurter Batschkapp versammeln sich zwei Schlagzeuger auf der Bühne, die mit monotoner Vehemenz Sechzehntel spielen, drei Gitarristen, Bass, Mundharmonika, Keyboard, Gesang. Der Weg ist klar: Keine Pausen. Verschwendung, Bombast, Verausgabung. 100 atemlose Minuten, ohne Ansagen und Zugaben.

Nach Außen erinnert der euphorische, in sich kreisende, permanent angezerrte Klang an eine Wand, im Innern aber passiert wahnsinnig viel. Er ist ein vibrierender, mäandernder, orgiastischer Strudel ganz wie die grellen, wabernden Live-Visuals, die unentwegt unsere Augen attackieren. Eine Rock-Show als psychedelische Oper, aber zugleich auch als ein virtuoses, kunstvolles Spiel mit Zitaten, so wie Stu Mackenzie Hardrock-Posen imitiert, ohne sie ernst zu meinen.

Vielleicht deshalb können sich so viele auf King Gizzard & the Lizard Wizard einigen, weil sie auf vielen verschiedenen Ebenen funktionieren. Die einen pogen selbstvergessen, andere grinsen nerdig, mit welch technischer Raffinesse Stu Mackenzie seinen Gitarrenklang manipuliert und was man mit mikrotonalen Reibungen im Psych-Rock alles so anstellen kann.

Die Batschkapp ist jedenfalls in bester Stimmung. Und „Rattlesnake“, für alle, die das noch nicht wissen, ist ein Hit für die Ewigkeit.

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