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Kelly-Family In familiärer Eintracht

Die Kelly-Family ist in der Frankfurter Festhalle ein Garant für eine klasse Party.

Kelly-Family
Wieder oben und auf Tournee: die Kelly-Family. Foto: Carsten Klick

Am Ende des Abends liegt der Saal voller bunter Papierschnipsel, es wurde geschunkelt und gesungen. Keine Fastnachtssitzung – die Kelly-Family. Während sich die Reihen schon leeren, lassen sie sich Handys der Fans reichen, knipsen Selfies mit ihnen, holen Kinder zum Winken auf die Bühne. Die Party klingt gemeinsam aus.

Die Kelly-Family: in den 90ern beliebtes Spott-Objekt. Zu skurril das Zusammenleben von bis zu zwölf Geschwistern auf einem Hausboot im Kölner Hafen, zu zottelig die langen Haare, zu sehr Altkleidersack die Klamotten. Zu verdächtig der Hype, der Dank „Bravo“ aus den Straßenmusikanten hysterisch bekreischte Stars gemacht hatte.

Rund 20 Jahre nach ihrem Zenit steht die Familie wieder vor einer ausverkauften Festhalle. Die kurvige Von-der-Straße-in-ausverkaufte-Hallen-und-zurück-Story bekommt einen neuen Aufwärtsbogen. Alle haben sie längst ein Leben jenseits des zeitweise nahezu abgewickelten Familienunternehmens. Joey etwa als Extremsportler, Autor und Motivationsredner. Paul, der sich schon in den 80er Jahren von der Familienband trennte, spielt Drehleier und imkert.

Das Comeback begann im Frühjahr 2017 mit drei ausverkauften Konzerten in der Westfalenhalle und einem Studioalbum: alte Hits neu aufgenommen, neue Songs dazwischen. Die Band besteht jetzt aus Patricia, Kathy, Angelo, Jimmy, Joey, John und Special Guest Paul, andere Geschwister sind solo unterwegs oder nicht mehr im Musikgeschäft.

Sehr ordentliche Stimmen haben alle sechs, vom rauen Jimmy bis zur opernhaften Kathy. Instrumentales Gefuddel ist nicht so ihr Ding. Für so etwas haben sie ein halbes Dutzend Gastmusiker dabei, schwarz gekleidet und selten im Rampenlicht. Nur Angelo hat mit 14 als Meisterstudent bei Jazzdrummer Bill Cobham gelernt und was drauf am Schlagzeug, wie er mit einem ausgiebigen Solo zeigt.

In manchen der Vokalsätze sind die Stimmen zu unterschiedlich ausgepegelt. Schade: Die Musik der Kellys lebt von diesen in familiärer Eintracht geschmetterten Refrains. Balladen wie „An Angel“ und „I Can’t Help Myself“, Uptempo-Titel wie „I Fell in Love With an Alien“ und „Why Why Why“ sind schlicht geschriebene Banalitäten – die Kellys waren Teenager, als sie sie komponierten. Auch neuere Stücke wagen sich nur selten wie „We Got Love“ an originellere Rhythmik. Der Titel „Nanana“ spricht für sich.

Es geht hier nicht um Perfektion, nicht um musikalische und schon gar nicht um äußerliche. Die Kleidung kommt zwar offenbar vom Kostümbildner, knüpft aber nahtlos an die Flohmarkt-Zeiten an. Schinderei im Fitnessstudio sparen sich die Kellys.

Bei allem, was an den Kellys außergewöhnlich ist, von der Geschwisterzahl über den tragischen Krebstod der Mutter, die sie in Liedern wie „Brothers and Sisters“ zur Heiligengestalt verklären, bis zur Achterbahnkarriere, sie sind – zumindest in ihrer jüngsten Inkarnation als erwachsene Musiker – keine fernen Stars. Sie sind die leicht suspekte Kommune von nebenan, ein bisschen aus der Form geraten, ein bisschen seltsam, aber Garanten für klasse Partys.

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