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Katie Melua Klangtiefe, die zum Versinken einlädt

Katie Melua mit Frauenchor in der Alten Oper.

Katie Melua in Frankfurt
Katie Melua trat in der Alten Oper in Frankfurt auf. Foto: imago

Weihnachtspoplieder können grausam sein, wie dieses „Wham!“-Machwerk. Zum Glück gibt es „The River“ von Joni Mitchell: „It’s coming on Christmas/They’re cutting down trees/They’re putting up reindeer/And singing songs of joy and peace.“

Dass Katie Melua diesen großartigen Weihnachtspopsong zu Ehren kommen lässt, rechtfertigt allein schon fast ihr Konzert in Frankfurts Alter Oper. Das Album „In Winter“ hatte sie 2016 gemeinsam mit dem Frauenchor aus der Stadt Gori in ihrer Heimat Georgien aufgenommen. Jetzt ist sie wieder mit den 16 stimmstarken Frauen auf Tour.

Zunächst allerdings steht die arme Keeva auf der Bühne. Was denken sich Veranstalter dabei, ein Konzert für 20 Uhr anzukündigen, die Aufwärm-Singer-Songwriterin aber lange vorher auf die Bühne zu schicken? Das Saallicht bleibt an, es herrscht Unruhe und Gebabbel. Keeva – beeindruckende Stimme zur Gitarre – bedankt sich „bei denen, die zugehört haben“. Viele waren es nicht.

Wer pünktlich für Melua da ist, muss zwanzig Minuten warten. Dann tritt die 34-Jährige zunächst nur mit Gitarre auf die Bühne und singt ein georgisches Volkslied. Für „Planes“ kommt ihr jüngerer Bruder Zuad Melua mit der E-Gitarre hinzu. Wenig später ist schon ihr größter Hit dran, „Nine Million Bicycles“, gemeinsam mit vierköpfiger Band.

Kehlige Resonanzen

Der bald hinzutretende Chor hält sich bei „River“ noch zurück, erzeugt aber später bei weiteren Volksliedern und dem angelsächsischen Weihnachtsklassiker „Oh Holy Night“ eine Klangtiefe, die zum Versinken einlädt. Kehlige Resonanzen entstehen. 

Solo-Stücke, Band und Chor formen den Spannungsbogen, Cover-Versionen wechseln mit Volkstümlichem und Stücken aus Meluas eigenem Schaffen wie „The Closest Thing To Crazy“. Die auf den Namen Ketevan Melua getaufte Sängerin, die in den 90er Jahren mit ihren Eltern auf den britischen Inseln Zuflucht vor dem Bürgerkrieg in Georgien fand, hatte 2010 nach dem fulminanten Auftakt ihrer Karriere einen Burnout erlitten und einige Jahre Pause eingelegt. 

Leicht belegt ist ihre kräftig grundierte Stimme; Melua erholt sich von einer Kehlkopfentzündung und nippt häufig an der Thermostasse. Das tut der Wucht etwa von Shirley Basseys Bond-Song „Diamonds Are Forever“ keinen Abbruch. Der eine oder andere Tempowechsel wäre möglich, ohne der gewünschten Adventsstimmung Abbruch zu tun. Immerhin: Ausgerechnet das Cover des melancholischen Black-Songs „Wonderful Life“ gerät etwas spritziger. 

Über den Bühnenhintergrund wandern pastellige Bilder zwischen Traumlandschaft und Edelkitsch. Louis Armstrongs „Wonderful World“ als Zugabe rundet ein vorweihnachtliches Wohlfühlkonzert ab. 

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