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Kammeroper Frankfurt Ein stummer Gast

Die Frankfurter Kammeroper erzählt in „Überich-Mich“ vom unterschiedlichen Umgang mit dem Flüchtling. Und gesungen wird natürlich auch.

Kammeroper Frankfurt
Sie sind sich selbst nicht grün. Hier Maria di Marco. Foto: Isabel Eiser

Sie ist ein idealer Ort für die Aufführungen der Kammeroper Frankfurt: die Weihehalle der Unitarier in Frankfurt, wo sonntags immer die „Feierstunde“ der freireligiösen Gemeinde stattfindet. Feier von „Wohlwollen und Achtsamkeit“, bestätigt „im Glauben an die Einheit allen Seins“. Da macht sich das neue Kammeroper-Projekt von Rainer Pudenz mit dem Titel „Überich-Mich“ gut – der Umgang mit dem Flüchtling, der auf diverse Mentalitäten hiesiger Kultur trifft.

Im Weisheitstempel der Tugendsamen bleibt das Reich der drei Könige der Nacht, die einmal mit den Namen der Präsidenten der USA, Russlands und der Türkei bezeichnet werden, außen vor. Dafür spielt sich im Altarbereich der Raum-Ellipse, die Alfred Schild 1957 entworfen hatte, eine Auseinandersetzung zwischen drei Frauen ab, die sich selber nicht grün sind und ihre je eigene Umgangsweise mit dem stummen Gast durchsetzen wollen. Das geschieht in Form einer Lieder- und Arienkette diverser Höhenlage (von Beethoven bis Georg Kreisler und Franz Grothe), womit verschiedene Positionen im Vokalen manifest werden.

Der Spielort bietet in seinem schmucklosen Raumpathos eine markante Akustik, in der die drei Stimmen charakteristisch, und im Verlauf des Abends auch immer besser präsent wurden. Die in dauerndem Empörungsmodus agierende Aktivistin, die im theatralischen Operngefühl Allgemeinmenschliche und die naive Konsum-Beauty. Dorothea Rinck, Ilona Nymoen und Louise Fenbury konnten teilweise beachtlich Eindruck machen. Die Dramatisierung der eigentlich recht überschaubar und schematisch bleibenden Auseinandersetzung wurde jedenfalls gut vermittelt und zuletzt auch differenziert zugespitzt.

Ein wichtiger, Atmosphäre ins Spiel bringender Faktor war das subtil eingesetzte Licht, das auf der kahlen Wand fast Robert Wilsonsche Ergebnisse zeitigte. Kaum zu tun hatte diesmal bei den meist schwarz gekleideten Damen in Kostüm und Lederkluft Kostümbildnerin Berghoff, die allein dem einzigen Mann im Spielfeld, Tobias Rüger, einen grellgrünen Flitterfrack verpassen durfte. Eine stumme Rolle des Instrumentalisten, der offensichtlich als Prototyp des männlichen Geschlechts meist ganz verliebt sein Saxophon kraulte und ab und an hineinblies. Die dramaturgische und theatralische Basisarbeit leistete vom Flügel aus Stanislav Rosenberg, der, bevor zuletzt alle bei Verdis Gefangenenchor mitsingen durften, etwas Schumann beisteuern konnte.

Kammeroper Frankfurt: 28., 31. März, 1., 2., 4., 6., 8. April.

www.kammeroper-frankfurt.de

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