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Julia Lezhneva Sturm der Liebe

Es lebe der barocke Affekt: Die junge Sopranistin Julia Lezhneva lässt in der Alten Oper Frankfurt die Emotionen rasen. Musik zum Tanzen spielt dazu das fitte Ensemble Concerto Köln.

Die Alte Oper Frankfurt. Foto: Alex Kraus

In ein paar Wochen feiert sie ihren 26. Geburtstag, es ist enorm, welche Virtuosität, welche technische Ausgereiftheit die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva an den Tag legt. Zur natürlichen und zur äußerst versierten einstudierten Beweglichkeit kommt eine klangliche Üppigkeit, die gerade in der mezzosopranhaften Tiefe aus diesem immer noch ganz kindlichen Gesicht verblüfft. Beim Frankfurter Bachkonzert im Großen Saal der Alten Oper spielte sie gemeinsam mit dem Concerto Köln, darunter Ausschnitte aus ihrer soeben erschienenen Händel-CD (Decca). Dort wird sie vom Ensemble Il Giardino Armonico begleitet, insgesamt ist das eine viel opulentere Affäre als jetzt in Frankfurt.

Wo es aber eigentlich doch schöner war: gerade die eben noch nicht in jedem Moment restlos verlässliche Stimme, keine perfekte Barockautomatenstimme, sondern ein verblüffend gut, immens behände singender Mensch; dazu das kompakt auftretende Ensemble unter der Leitung der Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki, der perfekte Begleiter für ein eher frühbarockes Programm. Die Auswahl bewies (wie das Album) die Freude am Exquisiten, etwas Ausgeflippten, dazu die Fähigkeit, den großen barocken Affekt auszukosten.

Etwas sehr wütend

Der Sturm der Liebe raste sogleich etwas sehr wütend durch „Come nave“ aus Nicola Porporas Oper „Siface“ (und zeigt, weiß Gott nicht bei der Sängerin, aber doch beim Komponisten, dass das Treffen des gewünschten Affekts auch Experimentierglück ist. Vermutlich war die Virtuosität auf Teufel komm raus Porpora einfach wichtiger als Sinn und Logik). Nachher gab die Agrippina-Arie „Pensieri, voi mi tormentate“ aus Händels gleichnamiger Oper Julia Lezhneva Gelegenheit, der Qual Stimme und Gesicht zu geben, beides nutzt sie wie ein alter Bühnenhase. Ein zart-wuchtiges, sehr selbstbewusstes Auftrumpfen auch die Arie „Come nembo che fugge col vento“ aus „Il trionfo del tempo e del disinganno“. Es ist dabei, als hätte Lezhneva sagenhaft früh begriffen, dass Kunst des Barock unbedingt Inszenierung ist, bei der auch jeder wissen darf, dass es eine ist. Das Vergnügen, ihr beim Zagen, Hoffen, Wüten und Entschließen zuzusehen, sollte man nicht unterschätzen. Unaufgeregte, bis ins Fahle melancholische Nummern hielt sie dagegen, von großer ruhevoller Süße etwa Händels „Salve Regina“. Auch die Leistungsschau einer jungen Künstlerin, während ihr die Fans offenbar schon von Saal zu Saal folgen.

Concerto Köln bot dazwischen höchst tanzbare Instrumentalnummern wie Francesco Geminianis „La follia“ und Bachs Brandenburgische Konzerte 3 und 4.

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