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José Carreras Inzwischen verdunkelt

Der 70-jährige Tenor José Carreras mit der irischen Sopranistin Celine Byrne in der Alten Oper Frankfurt.

Jose Carreras
Der Tenor José Carreras. Foto: dpa

Am Freitag hatte er die Ambulanz für molekulare Therapie des Frankfurter Universitäts-Klinikums besucht, die jetzt José- Carreras-Ambulanz heißt, denn die großen Summen, die der spanische Tenor seit seiner Leukämieerkrankung vor knapp dreißig Jahren in die Krebs-Forschung steckt, kommen auch der hiesigen Klinik zugute.

Zwei Tage später konnte man auch die Alte Oper als eine Art Carreras-Ambulanz bezeichnen, wo sich die glühenden Anhänger des mittlerweile 70 Jahre alten Sängers Heilung ihres Heimwehs nach der Stimme des zartesten und hellsten der drei Tenöre Pavarotti-Domingo-Carreras erhofften. Eine Vokal-Therapie, die, nimmt man den nicht enden wollenden Jubel im ausverkauften Großen Saal als Indikator, anzuschlagen schien. Noch einmal waren der eine oder andere Ohrwurm aus alten Tagen belebt worden und vor dem Zugabe-Reigen diverse, kaum bekannte Kreationen der italienischen Jahrhundertwende erklungen. Kleine Meisterlichkeiten, die allesamt dem puccini’schen Gen-Pool mit den schmachtenden Vokalbögen zugeordnet werden könnten.

Carreras’ Stimme bewegt sich mittlerweile in den oberen Regionen baritonaler Weiten bei geringem Volumen, das bei Finalspitzen aber kurz noch zu größerer Masse zusammengefasst werden kann. Dennoch: wäre da nicht die elektro-akustische Verstärkung gewesen, die die Stimme härter und schwingungsärmer, aber auch durchschlagender erscheinen ließ – man hätte Sorge haben müssen, ob die Frankfurter Musenhalle überhaupt genügend Vokaldruck zur Weitergabe bekommt. Immerhin war so ein blecherner Hauch von alter tenoraler Stadions-Dreifaltigkeit gegeben. Den sublimen, trotzdem spannungsreichen und starken Tenor mit dem wunderbaren Obertonspektrum aber fand man nicht mehr.

In Celine Byrne hatte der unaufwändig, unanbiedernd, ja regelrecht streng und verschlossen sich präsentierende Sänger eine sopranistische Partnerin, die komplementär zur verdunkelten und schwächer gewordenen Vokalität die fehlenden Stärken tenoralen Glanzes in ihrem Hoheitsgebiet ersetzte.

Eine Arbeitsteilung, die dazu führte, dass mancher Solo-Beitrag der höhensicheren und volumenstarken Irin fast mehr Applaus bekam als der eigentliche Star des Abends, dieweil das Bohemia Sinfonieorchester Prag unter David Giménez begleitenden Durchschnitt ablieferte. Zuletzt, vor allem nach „Core ’ngrato“, dem definitiven Schmelzpunkt aller tenoralen Kunstfertigkeit, war kein Halten mehr und alle konnten als geheilt entlassen werden.

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