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Jörg Widmann Rheingau Musik Festival Romantik-Session

Ausreizen, was bei Carl Maria von Weber nur möglich ist: Noch einmal Jörg Widmann beim Rheingau Musik Festival, diesmal mit dem Toronto Symphony Orchestra im Kurhaus Wiesbaden.

Wimmelbild mit aufgeräumtem Solisten: Jörg Widmann, Dirigent Peter Oundjian und das Toronto Symphony Orchestra beim Rheingau Musik Festival. Foto: Ansgar Klostermann/RMF

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Es ist ein großes Erlebnis, den Klarinettisten und Komponisten Jörg Widmann im Konzert zu erleben. Er führt die Situation so dicht an eine Session und so dicht an die unmittelbare Entstehung von Musik heran, wie es irgend möglich ist, wenn doch alle beteiligten Personen ihre nicht erst gestern beschriebenen Notenblätter vor sich liegen haben.

Und zudem so diszipliniert sind wie das Toronto Symphony Orchestra, das unter der Leitung von Peter Oundjian die einzige Deutschland-Station seiner kleinen Europatournee jetzt beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden machte.

Widmann ist dort in dieser Saison Composer & Artist in Residence, mit den Kanadiern hat er das Konzert aber auch schon vor wenigen Tagen in Amsterdam ausprobiert. Wunder der Konzertorganisation. Zumal die jetzt aufgeführte Programmvariante (das Orchester hat wie üblich mehrere mit auf seiner Tournee) nicht nur überzeugend, sondern raffiniert wirkte: romantischer Schwung aus unterschiedlicher Richtung.

Im ersten Teil zwei Werke Carl Maria von Webers: die „Oberon“-Ouvertüre, die die immense Kompaktheit des kanadischen Streicherapparats vorführte, als wäre diese eine Selbstverständlichkeit, dann das Klarinettenkonzert Nr. 11, in dem quasi zwei Dirigenten auftraten, denn Widmann spielte ebenso sehr zum Orchester wie zum Publikum.

Die Kanadier boten ihm eine straffe, bewegliche Grundierung für seine sämtliche Keck-, Grell- und Freiheiten seiner Partie ausreizenden, Weber so zeitgenössisch wie irgend möglich verstehenden Interpretation.

So dass der Übergang zu Widmanns eigenem Stück, der „Elegie für Klarinette und Orchester“ (2006) lediglich ein Verlassen vertrauter tonaler Gefilde war, bei gleichbleibendem Interesse an Schönheit, Effekt, Experiment, Feinsinn, nun auch zwischen den Tönen. Die „Elegie“ ist wenig elegisch, dann aber doch noch.

Herrlich klangen danach, nämlich ebenso fein, aber wieder ganz anders, tanzbar und melodienlustig, Sergej Rachmaninows Sinfonische Tänze op. 45. Eine ähnlich hochpräzise Pseudo-Losgelassenheit ließ die glänzend geölte Orchestermaschine schließlich noch in der Tschaikowsky-Zugabe hören.

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