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Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine Tanz den Pol Pot

Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine spielen in der Frankfurter Batschkapp. Jedes zweite Lied wird in ein politisches Statement verwandelt.

Markiert den starken Mann: Jello Biafra. Foto: imago stock&people

Willkommen zur Schnellreise nach Kambodscha. Ihr Reiseleiter Jello Biafra begrüßt Sie am Samstagabend an Bord der Batschkapp.

Jello Biafra war mal Sänger der Dead Kennedys, einer US-amerikanischen Punk-Band, die so manch veritablen Gassenhauer im Repertoire hatte. In singulärer Schönheit aber strahlt bis heute „Holiday in Cambodia“. Der Song ist für den Punk in etwa das, was „Stairway to Heaven“ für den Rock ist. Er bringt die Alten zum Weinen und auch ein paar Jungen zum Hüpfen. Und am Ende brüllen alle mit Jello Biafra zusammen ihren Welthass hinaus: „POL! POT! Polpotpolpot...“ Erst langsam, dann so schnell wie in der Black&Decker-Werbung, die auch aus der Zeit der größten Dead-Kennedys-Erfolge stammt.

Jello Biafra jedenfalls ist der alte geblieben, nur dicker und kahler. Die „Guantanamo School of Medicine“ ist so etwas wie die Fortsetzung der Dead Kennedys mit anderen Musikern. Das ist auch nötig, weil Biafra und seine Ex-Kameraden nur noch juristischen Umgang pflegen. Weil er sich geweigert habe, „Holiday in Cambodia“ als Werbe-Jingle an die Hosenfirma Levi’s zu verkaufen, sagt Biafra. Weil er sie um ihre Tantiemen behumst habe, sagen die übrigen Kennedys.

Sehr zornig und sehr links

Biafra jedenfalls ist immer noch sehr laut, sehr gut, sehr zornig und sehr links. Er engagiert sich für die grüne Partei, die in den USA anders als in Frankfurt dem linken politischen Spektrum zuzuordnen ist. Das Publikum in der Batschkapp übrigens auch.

Jello Biafra, der jedes zweite Lied in ein politisches Statement verwandelt, will vom Publikum wissen, ob es Bradley Manning, Edward Snowden und Julian Assange für a.) Vaterlandsverräter oder b.) Helden halte. Die richtige Antwort ist b.). Aber eigentlich wollen die Leute vor allem eines: Urlaub in Kambodscha.

Nicht, dass sich vorher jemand langweilen tät‘. Biafra spiel Neues. Da lacht die Antifa. Biafra spielt Altes, und bei Evergreens wie „California Über Alles“, „Nazi-Punks Fuck Off“ und „Kill the Poor“ kommt Wallung in die morschesten Knochen. Biafra mag ein böser kleiner Mann mit einem verhängnisvollen Faible für viel zu bunte Hemden sein, er ist aber ebenso ein geborener Entertainer wie begnadeter Songschreiber. Und wer’s nicht glaubt, soll sie halt auf youtube mal „Let’s Lynch the Landlord“ anhören oder es lassen.

Am Ende der Zugabe eines erwartbar gelungenen Gigs geht ein ebenso erwartbarer Ruck durchs Volk. „It’s a holiday in Cambodia / It’s tough kid, but it’s life“, kreischt Biafra, und der träge dicke Tätowierte am Tresen fängt an zu zucken wie Samson aus der Sesamstraße beim Waterboarding, und der Typ links mit den langen, gepflegten Haaren – nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein! – das ist doch Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), gibt’s ja nicht...hör mal, Olaf, sie spielen unser Lied...hast du’s noch drauf?...Faust hoch...und jetzt alle: „POL! POT! Polpotpolpot...“

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