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Jean-Yves Thibaudet Alte Oper Es huscht und schwenkt so blitzschnell um

Für Hellwache: Das Frankfurter Museumskonzert in der Alten Oper mit dem eindrucksvoll Liszt-artigen Pianisten Jean-Yves Thibaudet und mit Werken auch von Joseph Haydn und César Franck.

31.05.2015 23:21
Bernhard Uske
Die Alte Oper Frankfurt. Foto: Alex Kraus

Aristokraten, wie man an ihren gestalterischen Hinterlassenschaften sieht – warum sollten sie nicht auch in Sachen Musik über subtile und sublime Kompetenzen verfügt haben? Fürst Nikolaus Joseph von Esterházy etwa, der bei seinem Hofkapellmeister Joseph Haydn zahlreiche Sinfonien bestellte. Die braucht man nicht, wie heute gerne, auf knatternde Schnellst-Metrik samt dünnblütige Melodik zu reduzieren, um historische Angemessenheit zu suggerieren.

Mario Venzago, der Dirigent des Frankfurter Museumskonzerts in der Alten Oper war auf Subtilität, auf schön verschattete und hell aufflackernde Haydn-Gestaltgebung eingestimmt, und mit ihm die Musiker des Museumsorchesters, die in reduzierter Ensemble-Stärke auftraten. Trotz ihres Beinamens Feuersinfonie ist das Haydn-Opus Nr. 59 in A-Dur kein Aufwärmer für einen Konzertbeginn. Haydn-Raffinessen sind etwas für bereits Hellwache. Und wenn so huschend, zart, dann blitzschnell umschwenkend in andere Atmosphären reagiert wird wie hier, dann ist höchste Aufmerksamkeit vorausgesetzt.

Elegant und kaltblütig

Die war spätestens bei allen im Publikum gewährleistet, als Jean-Yves Thibaudet zum Flügel schritt und das A-Dur-Klavierkonzert von Franz Liszt spielte. Eine in einem einsätzigen Sonatenhauptsatzformat verkappte Konzert-Sinfonie, die eine Rundreise durch Täler und Höhen, mefistofelische und seraphische Stimmungen unternimmt. Erfreulich differenziert und reich an artikulatorischer Vielfalt unterhalb der bei Liszt gerne zur Blech- und Marcia-Virilität verführenden Tektonik war das Orchester-Tutti. Und darüber liegend, hindurch gehend und im Untergrund mitbrodelnd der Pianist. In seiner Mischung aus Eleganz und hazardeurhafter Kaltblütigkeit eine wunderbare Liszt-Personifizierung darstellend.

Die Zugabe, die der gefeierte Thibaudet brachte, war der letzte Beweis für seine auch intelligente Liszt-Beziehung. Das zweite Stücke in A-Dur aus Johannes Brahms’ Opus 118 ist wie ein Spiegel des Drei-Ton-Universalmotivs in Liszts Klavierkonzert.

Nach der Pause dann César Francks d-Moll-Sinfonie, wo Venzago sein binnendifferenzierendes Talent noch einmal gänzlich auf die blendend reagierenden Musiker übertragen konnte. So beweglich, luftig und frei von pastos-andächtigem Duktus hört man das kaum einmal. Wenngleich die dominierenden, mikrologischen Gestaltungsansätze die großen Bögen und Zielführungen kurzatmig machten und die hochfliegenden Franck-Potenzen deutlich abschwächten.

Alte Oper Frankfurt: noch mal am heutigen Mo., 20 Uhr.

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