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Jazzstipendium Frankfurt Am Beginn einer Reise

Das Jazzstipendium Frankfurt geht in diesem Jahr an das J-Sound Project. In der Romanfabrik Frankfurt wurde gefeiert und gespielt. Aber hieß das Jazzstipendium nicht früher anders? In der Tat. Zum 25. Jubiläum gibt es auch mehr Geld. Gut so.

14.05.2015 16:46
Hans-Jürgen Linke

Mit Bob Degen zu spielen, muss eine wunderbare Erfahrung sein, zumindest, wenn man Burkhard Kunkel ist. Bob Degen ist da, wenn man ihn braucht, er ist diskret und punktgenau und produziert nie nur Füllmaterial, er definiert Stimmungen, entwickelt ständig melodische Vorgänge und Alternativen, die linke Hand zeigt, wo im Zeitkontinuum man sich gerade befindet hat, sein Anschlag ist markant, ungemein variabel und der Situation angemessen.

Burkhard Kunkel hat das Bassetthorn dabei und die Bassklarinette. Beide Instrumente klingen bei ihm familienähnlich, aber markant unterschiedlich: Mit der Klarinette findet er scharfe, kantigere Klangfarben und treibt sich gern im Nebelhorn-Register herum, das Bassetthorn klingt schlanker und eleganter, und dann hat er sogar die oft verheimlichte Zither aus frühen Tagen dabei. Es muss für Bob Degen eine wunderbare Erfahrung sein, mit Burkhard Kunkel zu spielen.

Und das war nur die Vorgruppe.

Sinnvolle Erhöhung

Denn in der Romanfabrik wurde zum 25. Male das Frankfurter Jazzstipendium vergeben, das ab sofort nicht mehr „Arbeitsstipendium“ heißt und ab sofort – zur Feier des ersten Vierteljahrhunderts – mit sinnvoll erhöhten 10 000 Euro dotiert ist. Im Preisverleihungs-Publikum in der Romanfabrik und auf Bühne war jubiläumshalber ein gutes halbes Dutzend ehemaliger Preisträger zu sehen.

Man weiß allerdings zurzeit nicht genau, wie viele Musiker sich diese runde Summe diesmal teilen. Denn das J-Sound Project, Gewinner des Frankfurter Jazzstipendiums 2015, tritt mal als Quartett und mal als Quintett auf, scheint sich also in einer Übergangsphase zu befinden. Gibt es für eine junge Band aus dem Formenkontext des zeitgenössischen Jazz eine bessere Phase?

Die Gruppe besteht aus dem Namen gebenden Trompeter Jason Schneider, dem Bassisten Ivan Habernal, an Klavier und E-Piano hört man Yuriy Sych, am Schlagzeug Uli Schiffelholz, und der mehrfach aus- und eingewechselte Tenorsaxophonist ist Michael Schreiner.

Die Band experimentiert mit Formen, Klängen, mit Dynamik und Balancen. Sie erkundet die Tragfähigkeit elektrischer und elektronischer Komponenten, verschiedene Aggregatzustände von Melodik, Volumina und Steigerungsweisen in der Rhythmik. Und sie sucht dabei nicht unentschieden herum, sondern beherrscht ihr Material und lässt keine Klarheit vermissen. Sie befindet sich am Beginn einer Reise, für die sie mit dem Frankfurter Jazzstipendium einen prima Ausgangspunkt hat.

Das muss eine wunderbare Erfahrung sein.

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