Lade Inhalte...

Jazz in der Alten Oper Was für ein Konzert!

Eine hinreißende Jazz-Night mit Vijay Iyer und Nik Bärtsch in Frankfurts Alter Oper.

Ein krachender Misserfolg – an der Kasse. Gerade mal 250 Karten verkauft, für einen Saal mit 2400 Plätzen. Aber was für ein Konzert! Immerhin wird der indischstämmige amerikanische Pianist Vijay Iyer mit Recht als einer der interessantesten Vertreter seines Instruments weithin gehandelt, mit mehreren Jahresabstimmungsiegen im tonangebenden Magazin „Downbeat“. Der Schweizer Pianist Nik Bärtsch und seine Band Ronin sind gleichfalls hochkarätig. Doch wie auch immer, die ECM-Jazz-Night in der Frankfurter Alten Oper hatte mangels Zuspruch vom Großen Saal in das beträchtlich kleinere Albert-Mangelsdorff-Foyer verlegt werden müssen. Mal ins Positive gewendet: mit einem Zugewinn an Nähe, selbst wenn es sich nicht gerade um einen Jazzkeller handelt.

Die Musik von Nik Bärtsch und seiner 2001 gegründeten, nach einer kreativen Zäsur sich nunmehr in Quartettstärke und nicht länger als Quintett präsentierenden Band Ronin erinnert angesichts ihrer repetitiv-improvisatorischen Erscheinungsform mitunter an den Krautrock. Hinzu kommen im straff gespannten Ensembleklang Anflüge einer gleichsam abstrahierten Funkyness. Grundlegend für die sachlich durchnummerierten „modularen Bausteine“ (Bärtsch) sind Strukturen einer variierten Wiederholung in Anlehnung an den musikalischen Minimalismus.

Dem Wesen nach freilich ist die „Ritual Groove Music“ des auch in seiner äußeren Gestalt bekennenden Japanfans „poppiger“. Da der neue Bassist Thomas Jordi im Laufe der Konzertreise Bärtschs Worten zufolge „abhanden gekommen“ war, präsentierte Ronin sich mit den vier ursprünglichen Musikern Bärtsch, Klavier und Fender Rhodes Piano; Sha, Bassklarinette und Altsaxofon; dem perkussiven Bassisten Björn Meyer und Kaspar Rast, Schlagzeug. Das wirkt, wie schon auf dem grandiosen Rückmeldungsalbum „Awase“, auch nach bald zwanzig Jahren immer noch erfrischend unorthodox und zeitgenössisch.

Ihrer Struktur nach ist die Musik von Vijay Iyer und seinem Sextett konventioneller. Was kein Grund für Einwände ist. Es gibt Solos von eher klassischem Zuschnitt, es treten Trios um einen Solisten hervor, auch gibt es Passagen eines unbegleiteten Spiels.

Und doch geht es auch hier nicht um eine eitel-virtuose Selbstdarstellung, sondern zuallererst um das große musikalische Ganze. Ein ungemein starkes Solistenensemble ist das, mit Iyer an Klavier und Fender Rhodes Piano, Graham Hayes an Kornett und Flügelhorn, deren Ton er mitunter elektronisch mit fiepend-schwirrenden bis bratzigen Klängen belegt. Des weiteren der wunderbar lyrisch spielende Mark Shim am Tenor- und Steve Lehmann am Altsaxofon, der Bassist Stephen Crump und der fabelhafte Schlagzeuger Jeremy Dutton. Iyer beruft sich auf die Musikerkooperative AACM aus dem Chicago der sechziger Jahre (Art Ensemble of Chicago!); tatsächlich ist diese so luzide-energiesprühende wie beseelte, habituell freie Musik in einer eigenschöpferischen Art eng damit verwandt. Hinreißend.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen