Lade Inhalte...

Jazz im Palmengarten Miteinander und umeinander herum

Europäisch-indische Fusion: Max Clouth Clan mit der Sängerin Varijashree Venugopal beim Jazz im Palmengarten.

Die Wespen nerven manchmal. Ansonsten aber gehört in Frankfurt der Jazz im Palmengarten in diesem Sommer zu den Klimawandelgewinnlern: in der nachglühenden Hitze des frühen Abends steht eine geduldige Publikumsschlange vorm Eingang, allgemein erfreutes Wiedersehen und Zuwinken, entspannte Picknick-Atmosphäre. Und ein überaus gelungenes Konzert des Max Clouth Clan in Quartett-Besetzung, erweitert um die Sängerin Varijashree Venugopal.

Programmatisch beginnt das Konzert mit der Komposition „Kamaloka“, bei dem eine Erläuterung zu diesem Sanskrit-Wort nicht fehlen darf. In jeder der Bedeutungen des Wortes geht es darum, dass man Belastendes hinter sich lassen solle. Das Stück klingt, bei aller Virtuosität und Präzision, unbeschwert und ein wenig schwebend.

John McLaughlin und das gute alte Mahavishnu Orchestra gehören zu den Giganten an Max Clouths Horizont. Darum ist die elektrische Gitarre das Instrument im Vordergrund. Clouth spielt ein selbst entworfenes zweihalsiges Instrument, das in seinen Händen zu einem universellen Saiteninstrument wird: Mal reißt er mit dem harten Plektrum die Saiten an und fingert sich mit hohem Tempo über die Bünde, mal gibt es langbogige Verzerrungen und andere beliebte E-Gitarren-Effekte, mal klingt es am bundlosen Griffbrett wie eine Sitar mit abrupten Glissandi und schwirrender Tongebung.

Andrey Shabashev an den Tasteninstrumenten, Markus Wach am Bass und Martin Standke am Drumset changieren zwischen den Aufgaben einer inspirierten, klanglich komplexen Ryhthmusgruppe und Passagen intensiver Soloarbeiten. All das spielt sich musikalisch irgendwie auf halber Strecke zwischen Mumbai und Frankfurt ab. Stilrichtungen und Klangwelten bewegen sich zwanglos nebeneinander, miteinander und umeinander herum, nie ist eine Anstrengung spürbar, Unterschiede unter einen Hut zu nötigen.

Als Varijashree Venugopal auf die Bühne kommt, ändert sich das nicht grundsätzlich. Nur die exotische Einfärbung der Musik wird vorübergehend intensiver. Sie intoniert ein schönes Flöten-Solo und zeigt einen Umgang mit den Skalen, wie man ihn auch in Clouths Gitarrensoli hatte hören können, aber diesmal geschieht die Annäherung zwischen klassischer indischer Musik und westlichem Jazz von der anderen Seite her. Später gibt es spektakulär rasante Unisono-Passagen zwischen E-Gitarre und Varijashree Venugopals Vokalisen. Dann stellt sie einen Raga vor, ein melodisches Grundmuster als Exposé für eine formal durchstrukturierte Improvisation, und Max Clouth und sein Clan zeigen, was sie mit E-Gitarre, Bass, Keyboard und Drumset aus diesem Material machen können.

Langsam wird es dunkler, die Wespen stellen die Nervereien ein, und Varijashree Venugopal kommt mit Max Clouth zur letzten Zugabe auf die Bühne: Gitarre und Gesang in einem weitgehend improvisierten Duo, einem friedlichen Wettstreit um den Platz im Vordergrund, einem freundlichen Zuhören, höflichen Zurückweichen – kurz: einem gemeinsamen Bewegungsrepertoire, das das Miteinander verschiedener Musiktraditionen in dieser Band schlüssig vorführt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen