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Jazz im Palmengarten Allerbeste alte Schule

Einfach und frei: Das Quartetto Trionfale eröffnet die Saison von Jazz im Palmengarten.

Als erstes der Blick zurück. „Like Don“ ist nicht nur eine Liebeserklärung an Donald Eugene Cherry, den Trompeter des Ornette Coleman Quartets, sondern auch eine Standortbestimmung. Hier sind sie, die musikalischen Wurzeln des Quartetto Trionfale, hier, im Freien, aber auch im Einfachen, liegt die Basis für alles, was der Schlagzeuger und Percussionist Günter „Baby“ Sommer musikalisch erdacht und erreicht hat.

Es ist eine in Klang und Gestus alte, aber zugleich auch immer noch frische Musik, entstanden in den späten 50er, frühen 60er Jahren in den USA. Sommer half maßgeblich, diese zunächst uramerikanische Idee des Free Jazz in Europa zu verankern und auf eine eigene, selbstbewusste Art weiterzudenken. Mit unzähligen Musikern hat er sich dafür verbündet: Ulrich Gumpert, Peter Brötzmann, Alexander von Schlippenbach, Paul Lovens, Peter Kowald, Evan Parker und vielen anderen.

In den Palmengarten nach Frankfurt, zur Eröffnung der wunderbaren Open-Air-Konzertreihe, kommt Sommer mit seiner deutsch-italienischen Band Quartetto Trionfale. Auch sie gibt es schon seit einer Ewigkeit. Vor 35 Jahren debütierte der heute 75-Jährige mit ihr im Rahmen der Jazzwerkstatt Peitz – einem beschaulichen Spreewaldstädtchen, das zu DDR-Zeiten auch international als ein Mekka des zeitgenössischen Jazz gehandelt wurde. Von damals sind noch der Saxofonist und Klarinettist Gianluigi Trovesi und der inzwischen 82-jährige Trompeter Manfred Schoof dabei. Seit drei Jahren übernimmt Antonio Borghini den Bass.

Das Schöne: sehr viel Verschiedenes ist in ihrer Musik möglich. Es herrscht beim Quartetto Trionfale eine prinzipielle Offenheit, die nicht das Abstrakte liebt, sondern gerade das Schlichte, die einfache Melodie. Like Don! Wenn Trovesi und Schoof gleich im zweiten Stück Klarinette und Flügelhorn miteinander verweben, ganz unspektakulär, dann steckt da eine stille Kraft, die den Palmengarten sofort erfüllt. Oder wenn Sommer nach der Pause der Toten eines Massakers der Wehrmacht in Griechenland gedenkt, dabei den Gesang einer Überlebenden vom Band einspielt und diese ganz einfache Melodik dann Ausgangspunkt eines freien Ensemblespiels wird, dann ist das allerbeste, alte Schule.

Nur leider vertrauen die vier viel zu wenig auf ihre Qualität, auf das Spielen, das Denken und Entwickeln miteinander. Dafür gibt es Kabinettstücken. Ein lustiges, etwas lang geratenes Schlagzeugsolo, ein launiges Stück über einen alten italienischen Gastwirt und seinen Fiat 500. Ein paar Anekdoten zwischendurch. Hier steht so viel musikalisches Wissen vor einem, so viel Können und Klasse – man hätte gerne noch mehr davon gehört.

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