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Jazz im Mozart-Saal Vielgestaltig schillernd

Die Harfenistin Kathrin Pechlof mit ihrem Septett beim Jazz in der Alten Oper Frankfurt.

Kathrin Pechlof
Kathrin Pechlof mit ihren Musikern in der Alten Oper. Foto: Achim Reissner

Ein prominentes Beispiel für den Gebrauch der Harfe im Jazz gibt es zwar in der Gestalt von Alice Coltrane in den 60er Jahren. Insofern ist sie als Instrument der improvisatorischen Musik zwar jazzhistorisch erschlossen, doch das blieb für lange Zeit ziemlich folgenlos, eine ernstliche Tradition hat sich nicht herausgebildet.

Kathrin Pechlof ist eine herausragende unter einer Reihe von Musikerinnen, die in jüngerer Zeit das Instrument im Zusammenhang einer Klangsprache weiterentwickelt haben, die sich an der Schnittstelle zwischen der zeitgenössischen Musik und dem Jazz bewegt. Schon ihr vor fünf Jahren veröffentlichtes Debütalbum „Imaginarium“ ließ aufhorchen, nicht minder faszinierend ist das neue, gleichfalls mit ihrem langjährig beständigen Trio um den Altsaxofonisten Christian Weidner und den Bassisten Robert Landfermann eingespielte Album „Toward the Unknown“. Nun hat die gebürtige Münchnerin, Jahrgang 1978, in der von dem (auch für diese Zeitung tätigen) Musikjournalisten Hans-Jürgen Linke betreuten Spezialitätenreihe „Jazz im Mozart-Saal“ der Frankfurter Alten Oper mit einem Septett um ihr Trio sowie die vier Streicher Biliana Voutchkova, Violine; Vincent Royer, Bratsche; Elisabeth Coudoux, Cello und den Bassisten Dieter Manderscheid gastiert.

Das Klangbild ist ein gedämpftes. Natürlich ist eine gewisse Koketterie im Spiel, wenn Linke wie immer zu Beginn der Konzerte sagt, dass man es in dieser Jazzreihe nie mit Jazz zu tun habe, tatsächlich aber handelt es sich im vorliegenden Fall um eine kompositorisch fixierte Kammermusik aus dem Geist der Improvisation; Urheber der Stücke ist neben Kathrin Pechlof zu ungefähr gleichen Teilen Christian Weidner.

Die Musik kommt ohne einen Puls aus, es geht um die Klanglichkeit, mitunter entsteht eine Stimmung der kontemplativen Exerzitien. Jimmy Giuffre trifft Arvo Pärt. Dann wieder ist dieser vielgestaltig schillernden Musik auch mal ein elegischer Zug eigen. In einer ungebrochenen, dabei ganz und gar nicht kitschigen Art geht es hier um Schönheit.

In diesem Septett bewegen sich alle Instrumentalstimmen hierarchiefrei. Wenn es hier um eines nicht geht, dann ist es ein Virtuosentum. Wohl tritt jeder mal solistisch hervor, es wird aber niemand besonders exponiert, auch Kathrin Pechlof nicht. Es gilt das Primat der Form – gleichwohl stellt sich mitnichten ein Eindruck des allzu kühl Abgezirkelten ein. Es gibt Anlehnungen an Modelle der westeuropäisch-klassischen Musiktradition in zeitgenössisch freigeistiger Anverwandlung vor dem Hintergrund der freien Tonalität. Der progressive Leitgedanke ist der einer Weitung des Horizonts. Der Eindruck ist ein tiefer.

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