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Jazz-Album Ein gewissenhafter Geist

Geschliffen und vielfach reflektierend: Das Trio Nolega befasst sich mit einer zeitgemäßen Sicht auf die Jazz-Tradition.

Bix, der eigentlich Bismarck hieß und mit Familiennamen Beiderbecke, steht am Anfang, und Valentin Garvies Trompeten- oder vielleicht auch Kornett-Sound ist hier wunderbar direkt, schnörkellos, breit und fest und geradeaus. Also ein kleines Stück historisch korrekter Aufführungspraxis der goldenen Zwanziger. Gegen Ende des Albums feiert Nolega dann mit „Mood Indigo“ und dem unsterblich inbrünstig-melancholischen „Creole Love Call“ den großen Edward Kennedy „Duke“ Ellington.

Nolega ist ein Akronym, es ist aus den jeweils ersten zwei Buchstaben der Namen Nowak (Mathias), Lejeune (Martin) und Garvie (Valentin) zusammengesetzt. Dass sich das Trio, zu dem sich gelegentlich ein minimales Schlag-, Klatsch- und Raschelzeug gesellt (gespielt von dem im Bandnamen vernachlässigten Oli Rubov), mit der Jazz-Tradition befasst, ist also nicht schwer zu ergründen.

Die drei tun das mit einem sehr zeitgenössischen, also postmodernen Zugang zu den Dingen, der zugleich großen, kenntnisreichen Respekt und intelligent gehandhabte Distanz erkennen lässt. Und eine riesige Portion instrumenteller und kompositorischer Souveränität. Der Geist gewissenhafter akustischer Klang-Gestaltung – auch wenn zum Beispiel Ellingtons „Creole Love Call“ ohne Klarinette auskommen muss – mischt sich hier auf das Organischste mit elektronischen Klangverfremdungen und -elementen, mit einer überaus avancierten Arbeit des Trompeters, mit Mehrklängen und entsprechenden Spieltechniken.

Dann hört man, dass Valentin Garvie, der so lupenrein artikulieren kann, dass fast alle anderen Trompeter Grund hätten, neidisch zu sein, eben ein grandioser Techniker (und Trompeter des Ensemble Modern) ist. Bei dem alten Standard „St. James Infirmary“ – einer von Louis Armstrongs ewigen Hits – geht es dann vorübergehend wieder ganz pathetisch zu, und Garvie mischt noch einen historisch korrekten, schmutzigen Louis-Armstrong Growl dazu, bis sich eine elektrisch verstärkte Gitarre zurückhaltend und kommentierend hineinmischt und alles ohne viel Brimborium wieder ins 21. Jahrhundert holt. Wer noch kein begeisterter Hörer von Valentin Garvies Trompetenspiel ist, hat hier eine erneute Chance, es zu werden.

Jedes Stück auf diesem Album ist ein sorgfältig durchdachtes, handgearbeitetes, vielschichtiges, raffiniert geschliffenes und vielfach reflektierendes Kleinod. Und keineswegs nur mit historischen Reminiszenzen ausgestattetes, sondern auch mit reichlich eigener Kompositionsarbeit vom Bandleader und Gitarristen Martin Lejeune und Valentin Garvie bestückt.

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