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hr-Sinfoniker in der Alten Oper Das Leben feiern

Das hr-Sinfonieorchester mit einem Zemlinsky-Strauss-Programm in der Alten Oper Frankfurt.

11.12.2015 16:16
Bernhard Uske
Richard Strauss, Foto um 1906. Foto: epd

Auf die Frage seines Verlags, ob er nicht Lust hätte, ein Orchesterwerk zu schreiben, das durch seine Kürze und praktische Besetzung auch für den Vertrieb leichter ist, muss Alexander Zemlinsky in den frühen dreißiger Jahren mit ja geantwortet haben. Bald nach der Offerte der Universal Edition legte der Lehrer Arnold Schönbergs die „Sinfonietta op. 23“ vor. Das dreisätzige, gut 20-minütige Werk eröffnete das hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt: Ein durchaus klassisch ausgepolstertes, wenngleich mit neusachlichen Sprungfedern und einigen chromblitzenden Rahmensetzungen sowie collagierten Klangmustern versehenes Gebilde. Seine Herkunft aus einer noch ausladend sich artikulierenden Epoche konnte es kaum leugnen. Zumal Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada zwar mit viel Körperschwung agierte, aber einen knapperen, ja verlorenen Ton, der in der „Ballade“ des zweiten Satzes sich anbietet, nicht suchte. Die üppige Besetzung tat ein Übriges.

Auf ganz andere Weise ja gesagt als der 1871 geborene Zemlinsky hat der sieben Jahre ältere Richard Strauss. Die große Bejahung Friedrich Nietzsches, das Ja-Sagen zu sich selbst, zur Feier eigener schöpferischer Leibgebundenheit als der Versöhnung mit dem Leben ist hier im Spiel. Versteck dich nicht hinter einer Idee – so etwas hat Strauss von Anfang an zu seiner Richtschnur gemacht, und „Ein Heldenleben“, 1897, zehn Jahre nach Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft“ entstanden, ist hierfür der Prototyp.

Strauss selber mit seinen Schöpfungen, seiner Ehe, seinen Widersachern paradiert in einem dionysischen Wirbel – als ein Zarathustra, ein Till, ein Undomestizierter und artistisch Ausgekochter in allen Facetten des orchester-polyphonisch Möglichen. Perfekt kamen die hr-Musiker den Turbulenzen mit der Herrschaft des Herdentriebs der Uninspirierten nach. Fast starr, aber fein glitzernd blieben die lyrischen und verklärenden Partien.

Als Mittelstück gab es die „Burleske d-Moll“ für Klavier und Orchester des 21-jährigen Strauss: Eine mit rhythmischen Motiven gespickte Partitur. Der grandiose Pianist Emanuel Ax schlug aus der kompositorischen Kaltblütigkeit Funken einer quicklebendigen fröhlichen Ästhetik.

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