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hr-Sinfonieorchester Erhebend und entspannt

Das hr-Sinfonieorchester und Andrés Orozco-Estrada setzen den Beethoven-Sinfonien-Zyklus in der Alten Oper fort: mit der Sechsten und der Achten.

15.04.2016 16:46
Bernhard Uske
Andrés Orozco-Estrada, als er sich als neuer Chef der HR-Sinfoniker vorstellte. Foto: Andreas Arnold

An einem Beethoven-Klischee hat die aktuelle, scharf profilierende Interpretation der schnellen Tempi mit kleinen Orchesterbesetzungen und knatternden Pauken samt gellenden Hörnern nichts geändert: der bärbeißige Meister aller Klassik ist ein Stresstyp geblieben. Ein kompositorischer Hypertoniker, der sich nur in den langsamen zweiten Sätzen seiner Sinfonien etwas Ruhe gönnt. Im Zuge der diversen historischen Aufführungspraxen sind auch die noch am ehesten gesamt-lyrischen Kreationen des sinfonischen Werks – die mit den geraden Zahlen – ordentlich rhythmisiert und artikulatorisch aufgeraut worden.

So musste man eigentlich im zweiten Block der Beethovensinfonien-Gesamtpräsentation, die das hr-Sinfonieorchester in seinen Donnerstag- und Freitagkonzerten gegenwärtig präsentiert, eine entsprechende Darbietung bei den Sinfonien Numero 6 und Numero 8 erwarten. Aber trotz metronomgerechter Tempi brachte Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada mit seinen Musikern eine Klanggestalt zur Geltung, die im Falle der rossini-motorischen Achten leicht und hüpfend wie ein Pingpong-Spiel, im Falle der lyrisch-idyllischen Sechsten als Klangprospekt mit atmosphärischen Qualitäten wirkte.

Entspannung also auf der ganzen Linie mit sich biegenden und sich wiegenden Abläufen, die genau dem Habitus des Dirigenten mit seiner sich ständig schlängelnden Positur und dem schwerpunkt-analogen Auf und Ab seiner Kniegelenke korrespondierte. Wirkte im Falle der Achten die Streicher-Präsenz manchmal etwas mager und unausgewogen, so waren in der Sechsten die Gewichte zwischen den Stimmgruppen perfekt verteilt und in der Wahrnehmung deutlich.

Wie beim ersten Beethoven-Sinfoniendurchlauf im Großen Saal der Alten Oper war auch diesmal ein zeitgenössisches Klavierwerk zwischen die beethovensche Orchestralität gestellt: einige von György Ligetis „Études pour piano“, die zwischen 1985 und 2001 entstanden. Der 38-jährige Kanadier Stewart Goodyear spielte sie idiomatisch treffend.

Nach dem regulären Konzertprogramm gab es als „Beethoven-Nachklang“ noch die Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28, die, wie die 6. Sinfonie, den Beinamen „Pastorale“ trägt. Ein Werk, das den relaxten Charakter der sinfonischen Werke des Abends in der beethovenschen Königsdisziplin aufgriff. Goodyear brillierte mit einer Mischung aus plastischer Akkordik und virtuoser Spielfreude, die dem Klavier den ebenso erhebenden wie entstressenden Steigerungsabschluss des Abends überließ.

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