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hr-Sinfonieorchester Die Neunte!

Das hr-Sinfonieorchester und Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada schließen ihren Beethoven-Sinfonien-Zyklus in der Alten Oper Frankfurt ab. Mit einer 9. Sinfonie, die 65 Minuten dauerte und trotzdem ohne hysterisch-zackige Elemente auskam.

18.04.2016 16:41
Bernhard Uske
Die Alte Oper Frankfurt. Foto: Alex Kraus

Auch beim Abschluss des Beethoven-Zyklus mit dem hr-Sinfonieorchester ist Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada seinem Bild des Komponisten treu geblieben. Nach zwei Aufführungsdurchläufen mit den Sinfonien Nr. 1 bis Nr. 8, verteilt auf die Donnerstags- und Freitagsabonnementskonzerte, stand am Sonntag in der Alten Oper allein die 9. Sinfonie auf dem Programm.

Wo man früher eher 90 Minuten dem Titanenwurf folgte, erbrachte dasselbe Stück jetzt nur ein kurzes Konzert, denn in 65 Minuten rauscht im beschleunigten Tempo der Beethovenschen Metronomzahlen das Flagschiff aller sinfonischer Klangbildung am Hörer vorbei. Bei Orozco-Estrada noch nicht einmal mit qualmenden Schornsteinen und auch nicht mit extremem Wellengang, denn so sehr auch das Motto „Volle Fahrt voraus“ galt: Der Leiter der hr-Sinfoniker hielt das Steuerruder leicht in Händen, was dem Werk alles Stampfende mit Überdruck im Kessel nahm.

Erstaunlich viel „Pastorale“

Durch Schatten zum Licht? Auf die Gesamtheit des Werks bezogen lag immer ein heller, freundlicher, viele Sonnenpunkte aufweisender Schein auf dem Verlauf. Der auch bei schnellen Tempi oft nach zusammengekniffener Muskulatur klingende, typische „Neunte“-Duktus im ersten Satz mit hysterisch-zackigen Ergebnissen blieb aus. Trotzdem kamen die Pauken-Exaltationen in der Durchführung mächtig daher, aber pointiert und nicht als chaos-artiges Erdbeben. Verblüffend, wie viel „Pastorale“ sich in dieser auf höchstem Ehrfurchtssockel stehenden Beethoven-Schöpfung befindet – wie viel Beschaulichkeit! Und Choralhaftes ohne Triumphalismus streckenweise auch noch im agitato-haften Finalsatz.

Das Orchester war blendend disponiert, die Bläser, auch mit ihren historischen Ausfertigungen, boten hervorragende Profile. Die Minimierung des Vibratos hielt die Streicher von allen Dickmachern fern.

Lag es an der Positionierung des Vokalsolisten-Quartetts mit Camilla Nylund, Gerhild Romberger, Michael König und Nathan Berg vor den Choristen hinter dem Orchester – das war einfach keine Offenbarung. Teilweise schien man um Höhe zu ringen, teilweise wurde fester Intervall-Tritt gesucht.

Überragend dagegen der MDR Rundfunkchor, der das breite Spektrum artikulatorischer und stimmtechnischer Zumutungen, die Beethoven hier für seine Menschen-Brüder parat hält, anstrengungslos in grandioser Präsenz und Klarheit auch bei der Chor-Doppelfuge bewältigte.

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