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hr-Bigband Und immer diese Wärme

Sirrend und klirrend, fiepend und bratzend, spacig und kullernd, wundersam dengelnd und scheppernd: Ein Abend mit der hr-Bigband und Gastsolisten umkreist das Werk des großen Jazzers Joe Zawinul.

14.02.2016 17:42
Stefan Michalzik
Joe Zawinul (1932-2007), dem die hr-Bigband jetzt ein Konzert widmete. Hier ist Zawinul bei der Eröffnung der Wiener Festwochen 2007 zu sehen. Foto: imago/SKATA

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Nach einer ganzen Weile erst begreift man: Das ist doch!... – „Mercy, Mercy, Mercy“, eine der populärsten Nummern der jüngeren Jazzgeschichte. Jüngere Jazzgeschichte, das ist natürlich relativ, die Aufnahme mit dem Cannonball Adderley Quintet ist von 1966. Seitdem aber war es mit den Hits im Jazz nicht mehr weit her. Einen veritablen hat es noch gegeben, „Birdland“ von Weather Report – und auch den schrieb, wie schon „Mercy, Mercy Mercy“, Joe Zawinul. Ein musikalisch polyglotter Wiener in New York und wohl der Europäer mit der folgenreichsten Wirkung im Ursprungsland des Jazz.

Es ist viel Vertrautes zu hören an diesem Abend mit der hr-Bigband im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. Arrangeur und Chefdirigent Jim McNeely versteht sich ganz prächtig darauf, die Kompositionen in dieser Hommage an den 2007 verstorbenen Musiker in Orchesterfarben von funkensprühender Originalität schillern zu lassen.

Der Beitrag des Gastsolisten Jim Beard indes fällt praktisch in die Kategorie Originalklang. Sirrend und klirrend, fiepend und bratzend, spacig und kullernd, wundersam dengelnd und scheppernd: Wie kaum ein Zweiter war Zawinul ein futuristischer Klangfinder auf den Keyboards. Furios folgt ihm Beard auf diesem Pfad. Immer mit jener spezifischen Wärme, die für Zawinul charakteristisch gewesen ist.

Verschlungen und doch messerscharf konturiert

Alles ist polyphon und polyrhythmisch verschlungen in den aus der Improvisation geschöpften, am Ende aber messerscharf konturierten Stücken. Quer durch die Werkphasen geht das Repertoire, mit Gewicht auf die Zeit mit Weather Report in den siebziger und frühen achtziger Jahren und danach mit Zawinuls Syndicate.

Obendrauf in der Zugabe: „In a Silent Way“ aus der Zeit, in der Zawinul in der Band von Miles Davis an der Elektrifizierung des Jazz und dem Urknall des Jazzrocks beteiligt war.

Der zweite Gast, Gene Lake, kündete am Schlagzeug mit Jean-Paul Hochstädter von den ethnomusikalischen Unterströmungen, die für Zawinul mehr und mehr an Bedeutung gewannen. Delikat kalibrierte Beiträge lieferten immer wieder Solisten wie Tony Lakatos (Tenorsaxophon), Heinz-Dieter Sauerborn (Alt- und Sopransaxophon), Christian Jaksjö (Euphonium) und Martin Scales an der Gitarre.

„Wir verweben Melodien und setzen die Bühne unter Feuer“, so fasste Joe Zawinul das Credo von Weather Report zusammen. Die Protagonisten dieses inspirierten Abends haben diesen Geist getroffen – im Zeichen einer faszinierend eigenen Prägung.

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