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Hirnschlag Roger Cicero stirbt mit 45 Jahren

Der Sänger Roger Cicero ist tot. Das bestätigt sein Management dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Der Jazzmusiker starb im Alter von 45 Jahren an einem Hirnschlag. Zuletzt war eine Tournee für den April abgesagt worden.

29.03.2016 11:47
Stefan Michalzik
Roger Cicero
ARCHIV - Der deutsche Sänger Roger Cicero tritt am 24.01.2008 in Hannover auf. Cicero ist im Alter von 45 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Management am 29.03.2016 der Deutschen Presse-Agentur. Foto: Jochen Lübke/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Jochen Lübke (dpa)

Er ist ein Jazzcrooner von einem respektablen Vermögen gewesen, mit einem schlanken und geschmeidigen Bariton. Diesem Pfad ist er über die Jahre hinweg immer treu geblieben. Einem in der deutschen Unterhaltungskultur traditionsreichen Modell nach verdankt er jedoch in erster Linie dem Schlager seine Popularität – die ihm wiederum dazu verhalf, dass er mit Swingkonzerten in Bigband- oder Quartettbesetzung ein sonst schwerlich erreichbar großes Publikum gefunden hat.

Die Hybridposition zwischen dem Jazz und einer pekuniär einträglichen Offenheit für das Leichte hat Roger Cicero schon familiär mitgegeben bekommen: 1970 ist er in Berlin als Sohn einer Tänzerin und des seinerzeit fernsehpopulären Jazz- und Unterhaltungsmusikpianisten Eugen Cicero geboren worden.

Habituell wie mit seinen Songs hat Cicero in einer unerfreulichen Weise einen beträchtlichen Beitrag zur Rückkehr des machohaften Typus „liebenswerter Schlawiner“ geliefert, den man eigentlich längst auf der Müllhalde der Geschichte der Geschlechterverhältnisse gewähnt hatte. Das sich keck gebende Hütchen ist die scheinbar unverzichtbare Garnitur dazu gewesen. Kaum ein Klischee, für das sich er und sein Texter und Produzent Frank Ramond zu schade gewesen wären. Vieles davon ist der Behandlung der Dinge zwischen den Männern und den Frauen in der Comedy nahegekommen.

Schon mit zwanzig Jahren hat Cicero, am Konservatorium geschult im Gesang und an Klavier und Gitarre, einige Konzerte mit Horst Jankowski und dem RIAS-Tanzorchester gegeben, von 1991 an studierte er Jazzgesang im holländischen Hilversum. Mit der Berliner Band Soulounge ist er 2003 beim Jazzfestival in Montreux aufgetreten.

2006 ist er als Gastsänger auf dem beachtenswerten Album „Good Morning Midnight“ mit dem Trio der Pianistin Julia Hülsmann in Erscheinung getreten; auf das gleiche Jahr datiert das sofort schlagartig erfolgreiche erste deutschsprachige Album mit dem sprechenden Titel „Männersachen“.

Im Jahr darauf landete er als Vertreter Deutschlands beim Eurovision Song Contest allerdings bloß auf einem enttäuschenden 19. Rang. In Interviews hat Cicero angegeben, dass die nach außen verkörperte optimistische Haltung ihm durchaus nicht von vornherein wesenseigen sei.

Im vergangenen Jahr hat er dem Vorbild Frank Sinatra ein Programm zu dessen hundertsten Geburtstag gewidmet, eines akuten Erschöpfungssyndroms wegen mussten jedoch vom November an alle Auftritte abgesagt werden. Im Alter von 45 Jahren ist Roger Cicero, wie sein Management gestern mitgeteilt hat, an Gründonnerstag an einem Hirnschlag gestorben, den er fünf Tage vorher erlitten hatte; einen Tag davor wiederum hatte er noch ein Konzert beim Bayerischen Rundfunk in München gegeben.

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