Lade Inhalte...

Helge Schneider in der Alten Oper Die Rassel mit dem einen Korn

„Lass k(n)acken, Oppa!“: Helge Schneider mit dem ziemlich Gleichen und doch frisch in Frankfurts Alter Oper.

28.02.2016 16:36
Stefan Michalzik

Es hat eine Phase gegeben, da hat sich ein Abend mit Helge Schneider in erster Linie als Konzert dargestellt. Animiert beschwingtes Jazzcombo-Entertainment, das hat Laune gemacht, zwischendrin gab es ein paar Faxen. Inzwischen ist es wieder die Komik, die im Vordergrund steht. Das Programm „Lass k(n)acken, Oppa!“, mit dem Schneider und seine Band in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper gastierten, präsentiert den größten lebenden Komiker deutscher Sprache in bester Form.

In einer derart kunstvollen Art zu albern, das macht ihm so leicht keiner nach. Instrumente virtuos schief zu spielen, das ist eine der diversen Spezialitäten dieses phänomenalen Improvisators in Musik, Wort und grotesker Körperkunst. Auftritt im leuchtend blauen Showanzug mit Einstecktuch und Kassenbrille, greisenhaft gebückten Ganges. Er schleppt sich an einem Kontrabass ab und spielt darauf in einer schier unglaublich dissonanten Weise einen Abglanz des Stimmungslieds „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. Bei „Freude schöner Götterfunken“ sägt er den Bogen mit aller Kraft in den Saiten fest. Unsagbar komisch auch das Bild, wie er am Ende den Bass – geheiligt sind die Musikinstrumente! – beim Abgehen hinter sich her schleift und immer wieder mit dem tumben Blick einer scheinbaren Selbstverständlichkeit ins Publikum schaut.

Zu den aberwitzig komischen Attraktionen gehören eine brachial zu laut gespielte Hammondorgel und die lustvolle Präsentation von obskuren Sounds auf dem analogen Synthesizer. Dann wieder klingt eine Rassel lachhaft mickrig, weil sie mit nicht mehr als einem Korn gefüllt ist. Eines der Rezepte für seine lakonische lustigen Erzählungen legt Schneider diesmal selber offen. Man spreche beispielsweise von einer Reise nach Amerika, todsicher gibt es Lacher, wenn man Städte einbaut, die gar nicht dort liegen, Chemnitz etwa. Das funktioniert in jedem Fall ganz prächtig. Sofern man bloß ein Genie des Komischen ist.

Wie jedes Mal kehren einige bekannte Lieder wie „Meisenmann“ und „Katzeklo“ wieder, mit immer neuen lustigen Textvarianten und originellen Arrangements, begleitet von einer herzhaft musizierenden Stammbesetzung. Ein paar ganz alte Vergackeierungen des Schlagers finden sich. Der Bezug zu den frühen Tagen ist kein zufälliger, das ist die Werkphase, an die Schneider gerade wieder anknüpft.

Immer das Gleiche immer wieder anders – und die Show wirkt vollkommen frisch und neu: Das geht wiederum ganz prächtig auf.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum