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Heinz Sauer, Uwe Oberg Bitte keinen Lärm machen

Das erste gemeinsame Duo-Album von Heinz Sauer und Uwe Oberg ist voller wunderbarer Extreme.

Berechnende Melancholie mit Oberg und Sauer.

Die Grundstimmung ist voller wunderbarer Extreme und Widersprüche: berechnende Melancholie. Es gibt gedämpfte Schärfe in der Tonbildung und kontrollierte emotionale Rage. Heinz Sauer und Uwe Oberg gehören seit einer unterschiedlichen, aber nicht unbeträchtlichen Anzahl von Jahren zu den Exponenten der Jazz-Szene in der Rhein-Main-Region. Dass sie sich kennen und hier nicht zum ersten Mal zusammen gespielt haben, liegt also nahe.

Dennoch ist der Schritt zu einer Duo-Einspielung nicht klein, und die Begegnung der beiden erschient über die komplette Strecke des eingespielten Albums als ungemein persönliches, von großer Klarheit und Vorbehaltlosigkeit unterfüttertes Ereignis. Vorbereitet wurde es durch einen gemeinsamen Auftritt auf dem Festival in dem ostbrandenburgischen Städtchen Peitz, ein paar Kilometer nördlich von Cottbus, im Juni 2017. Von da ging es ins Studio des rbb nach Berlin.

Die CD besteht aus elf Stücken, drei hat Oberg geschrieben, zwei Sauer, für fünf Stücke werden beide zusammen genannt, eines („Bloodcount“) ist von Billy Strayhorn und fungiert auch als Hommage an Duke Ellington, für den Strayhorn arbeitete. Minimale Absprachen genügten als Ausgangspunkte, dazu kommt hörbar eine immense gegenseitige Aufmerksamkeit für elastische Tempi, für verschiedene Dramaturgien und Aufgabenverteilungen des Zusammen-Spielens, für Pausen und Steigerungen, für Klangfarben und Anschlags-Nuancen. Und eine gemeinsame Geschichte, die sich im Titel des Albums spiegelt. Denn „Sweet Reason“ ist eine lustige Übersetzung des Namens eines unter Naturschutz stehenden Wiesentales im Taunus, das Sauer und Oberg verbindet: Süßes Gründchen heißt es. Es gibt dort klare Verhaltensregeln, deren erste und wichtigste lautet: „Bitte keinen Lärm machen“ und deren letzte erinnert: „Bitte keinen Müll liegenlassen!“ Oberg und Sauer halten sich streng an beides.

Das Eröffnungsstück stammt von Oberg und heißt „First Chant“. Der Erste Gesang ist dazu da, dass man weiß, wo man ist, und genau so funktioniert das Drei-Minuten-Stück auch. Heinz Sauer und Uwe Oberg sind sich vom ersten Augenblick an auf eine sehr spannungsreiche Art nahe. Das Ergebnis vermittelt einmal mehr eine ungemein intensive Begegnung mit dem überwältigenden Klangreichtum, der Heinz Sauer am Tenorsaxophon zur Verfügung steht und der auf eine eigentümlich vertraute Weise ganz anders klingt als beispielsweise in Sauers Duos mit Pianisten wie Bob Degen oder Michael Wollny.

Oberg gibt nicht nur Anlässe für Sauers intensiv-abgründige Arbeit mit Obertönen, er schafft es selbst auch, dem – im Vergleich zu Blasinstrumenten – klanglich immer etwas störrischen Flügel erstaunliche Nuancen abzutrotzen und dabei eine ganz eigene spröde Lyrik zu entfalten. Stücke wie „Leuchtende Nachtwolken“, „Ursa Minor“ oder „Reste von Licht“ entfalten eine spätromantische Nocturne-Stimmung.

Das vielleicht intensivste Stück des Albums trägt den Titel „Weiter“, und der letzte Gesang ist hoffentlich nicht der letzte und heißt darum „Temporary Last Chant“.

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