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Heino Freiwild? Ich weiß gar nicht, wer das ist

Zwei Themen spalteten im vergangen Winter die Musikfans: die Band Freiwild - und Heinos Album "Mit freundlichen Grüßen". Im Interview spricht Heino über beides.

20.04.2013 16:28
Um sein neues Image als Rocker in bildlicher Art auszudrücken, trägt Heino jetzt einen Totenkopfring. Aber warum trägt der Totenkopf eine Badekappe? Foto: dpa

Zwei Themen spalteten im vergangen Winter die Musikfans: die Band Freiwild - und Heinos Album "Mit freundlichen Grüßen". Im Interview spricht Heino über beides.

Auf zwei Fragen musste man in diesem ewig langen Winter eine Antwort parat haben: Wie steht man eigentlich zu Freiwild? Und wie findet man „Mit freundlichen Grüßen“, das neue Album von Heino mit Coverversionen bekannter Deutschpop- und Rockstücke? Wir telefonierten ein halbes Stündchen mit Heino und sprachen über die Platte, Sangeskunst im allgemeinen und Nazismus-Vorwürfe jeglicher Art. Und über Freiwild natürlich auch.

Hallo Heino! Wo genießen Sie gerade den Frühling?
Ich bin auf einer volkstümlichen Tournee auf dem Weg von Kitzbühel nach Regensburg. Mit Marianne und Michael, Lena Valaitis und Florian Silbereisen.

Und Sie spielen dort Ihr neues Programm?
Nein, hauptsächlich ältere Volksmusik-Stücke. Aber „Junge“ von den Ärzten ist schon mit dabei. So mit Pyrotechnik und Lederjacke. Wie sich das gehört für einen Rocker.

Sind Sie diese Woche noch zum Fußballgucken gekommen? Sie sind ja Fan von Bayern München.
Ja, ich habe gesehen, wie München den Vfl Wolfsburg vorgeführt hat. Und klar: ich bin großer Bayernfan. Ich kenne ja Leute wie den Uli Hoeneß, Paul Breitner oder Franz Beckenbauer noch aus der Zeit, als sie noch aktiv waren.

Und was glauben Sie: Wird das was mit dem Triple in diesem Jahr?! Die Deutsche Meisterschaft ist ja bereits gewonnen.
Ja, also den DFB-Pokal werden sie in jedem Fall holen. Aber in der Champions-League gegen den 1.FC Barcelona: Das ist natürlich eine Hausnummer! Da spielt dann auch Glück eine große Rolle – und die Tagesform.

Wie wichtig ist Ihre Tagesform auf der Bühne? Gibt es noch Auftritte, nach denen Sie denken „das ging gar nicht“?
Nein, „das geht gar nicht“ kommt nicht vor. Aber ich bin auf der Bühne ja immer ein Einzelkämpfer. Wenn man in einer Mannschaft spielt, dann ist man Mannschaftskämpfer, aber als Einzelkämpfer musst Du noch mehr auf der Hut sein. Da darf man sich gar keinen Schnitzer erlauben. Das geht dann natürlich in die Hose.

Sie sind ja immer nur Interpret der Stücke, die Sie aufführen, nie der Komponist oder Texter. Da hat man doch sowieso eine gesunde Distanz zu dem Material, oder?
Ja, aber dennoch sucht man sich Stücke aus, von denen man denkt: Ach, die hätten auch von mir sein können. Oder: Die finde ich so gut, als ob sie von mir wären. Ich würde niemals etwas singen, was mir nicht gefällt. Das funktioniert nicht. Egal ob das nun die Ärzte, Herbert Grönemeyer, Rammstein oder Marius Müller-Westernhagen oder Sportfreunde Stiller sind. Auf dem aktuellen Album singe ich Lieder, bei denen ich davon ausgehe, dass sie Volkslieder der jungen Generation sind. Die werden meiner Meinung nach genauso lange Bestand haben wie beispielsweise „Hoch auf dem gelben Wagen“. Solche Lieder sind ja schon über 100 Jahre alt. Das traue ich den Liedern von den Sportfreunden Stiller auch zu. Solche Songs liefen ja aber auch schon vor meinem Album auf den gleichen Partys, auf denen auch „Der Enzian“ oder „Die schwarze Barbara“ laufen. Aber man muss für so etwas natürlich auch ein Näschen haben…

Für die richtigen Songs, meinen Sie?
Ja, und wenn man dann etwa „Junge“ von den Ärzten singt, dann ist es natürlich lustig, weil die das Stück ironisch gemeint haben. Ich meine das Lied, so wie ich es singe, aber ernst.

Wer ein bisschen was von Harmonielehre versteht, weiß ja ohnehin: Punkrock ist oft auch nur Schlager mit verzerrten Gitarren.
Da sind Sie der erste Journalist, der das erkennt. Wissen Sie: Ich will ja gar niemanden ärgern, ich will nur Spaß haben mit meiner Musik. Ich will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger da stehen und sagen: Schaut, Eure Lieder sind doch auch nur Schlager.Ich wurde immer belächelt: der Heino mit seinen Volksliedern. Aber diese Lieder, beispielsweise „Der Enzian“, das geht über drei Oktaven! „Junge“ von den Ärzten geht über maximal eine halbe, na sagen wir: eine ganze Oktave. Da ist dann auch schon Schluss. Und in diesem Bereich, da spielt sich die Rock und Popmusik einfach ab.

"Ich hätte mir mehr Toleranz gewünscht"

„Der Enzian“ ist für einen Sänger die größere Herausforderung als „Junge“?
Natürlich. Eine ganz andere Herausforderung. Das hat jetzt aber nichts mit der Qualität eines Liedes zu tun, wie schwer es ist es zu singen. Als wir die ganzen Künstler im Vorfeld angefragt haben, ob wir bestimmte Stücke für die Werbung nutzen können, da haben die alle Schüttelfrost gekriegt.

Hätten Sie mehr Kooperationsbereitschaft erwartet?!
Ich hätte mir mehr Toleranz gewünscht. Nehmen Sie diesen Oomph, der sagt öffentlich, er könne mit Heino nichts anfangen wegen seinem völkischen Liedgut und erzählt dann was vom „Soldat am Wolgastrand“. Da kann ich doch nur sagen: Der weiß doch gar nicht, was das für ein Lied ist. Das Stück ist aus der Operette „Der Zarewitsch“ von Franz Léhar. Und der Soldat, der da am Strand liegt, das ist ein Russe.

Aber Sie wissen doch auch, wie die Nationalsozialisten sich solche Stücke zu eigen gemacht haben. Können Sie nicht verstehen, dass Menschen eben wegen der deutschen Geschichte so sensibel auf solche Lieder reagieren?
Natürlich kann ich das verstehen, aber die Operette, aus der das Lied „Soldat am Wolgastrand“ stammt, hat überhaupt nichts mit dem Nazi-Regime zu tun. Genauso wenig wie das Lied „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Da kann ich auch nur sagen: Das Lied ist aus dem Jahre 1876 oder 77. Dass die Nazis Lieder missbraucht haben, das weiß ich natürlich schon, aber was können denn diese Lieder dafür?

Reden wir über die Gegenwart: Sie spielen bald mit der sehr umstrittenen Südtiroler Rechtsrock-Band Freiwild auf dem Alpenflair-Festival. Viele Bands würden das boykottieren. Wie ist denn Ihre Meinung zu dieser Band?
Das habe ich überhaupt nicht mitbekommen. Ich weiß gar nicht wer das ist.

Wirklich? Da müssen Sie aber die Medienberichterstattung in den letzten Wochen erfolgreich ignoriert haben: Die Band war für den Echo nominiert, für den Sie auch nominiert waren, und wurde wegen des Protests einiger Künstler wieder ausgeladen. Eben weil man Freiwild ganz klar im Rechtsrock positioniert sieht.
Alles was mit Rechts zu tun hat, hasse ich wie die Pest. Aber spiele ich wirklich am gleichen Tag wie diese Band? Geht das Festival nicht über mehrere Tage?

Doch, aber viele Menschen würden sich von Ihnen eine eindeutige Haltung gegen Rechts in der Öffentlichkeit wünschen. Verständlicherweise.
Diese Haltung habe ich ja, aber Sie können nicht von mir erwarten, dass ich eine Position zu einer Band beziehe, die ich gar nicht kenne. Ich weiß wirklich, nicht wer das ist!

Lassen wir das mal dahingestellt. Kennen Sie denn Jello Biafra, den Sänger der amerikanischen Punkband Dead Kennedys? Der ist Ihr größter Fan und hält sie für die deutsche Antwort auf Scott Walker.
Sagt mir leider auch nichts. Den würde ich aber gerne mal kennenlernen.

"Am Ende entscheidet das Publikum"

Hatten Sie eigentlich mit dem Skandal um Ihr Album, der ja ein Stück weit auch inszeniert ist, in der Form gerechnet? Also, dass alle auf diese Inszenierung derart anspringen?
Mit einem großen Aufschlag hatte ich gerechnet, aber nicht mit dieser Größe. Dass selbst die Süddeutsche Zeitung, die Jahrzehnte zu Heino geschwiegen hat, plötzlich was schreibt, finde ich schon erstaunlich. Und dass mein aktuelles Album auch im Download-Bereich so erfolgreich ist, zeigt mir, dass ich die jungen Leute damit erreicht habe. Meiner Plattenfirma hatte ich das Projekt schon vor fast zwei Jahren vorgeschlagen. Aber die Frage war immer nur: Wer soll das kaufen?

Glauben Sie denn eigentlich, dass die Menschen, die jetzt auf Partys zu Ihren Versionen von Gassenhauern tanzen, das mit einem ironischen Augenzwinkern tun? Als Partygag im Schnapsrausch?
Ich glaube eher, dass die Leute das jetzt auch in meiner Version hören wollen.

Sie glauben tatsächlich an die Qualität Ihrer Versionen?
Ja, ich finde, wir haben sehr gute Versionen abgeliefert. Und am Ende entscheidet nun einmal das Publikum, welche Musik es hören will. Wir haben in den ersten Wochen über 100.000 Platten verkauft. Und bald bekommen wir Platin. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass den Leuten meine Versionen auch wirklich gefallen.

Der Protest von den Bands, die Sie auf dem Album covern, scheint mir ohnehin etwas scheinheilig, weil sie ja über ihre Urheberrechte nicht schlecht mitverdienen.
Das kann ich ihnen sagen. Da kommt ein richtiges Pfund rein!

Das Gespräch führte Maurice Summen.

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