Lade Inhalte...

Frankreich Rock-Sänger Johnny Hallyday ist tot

Er galt als Elvis Presley von Frankreich. Rock-Sänger Johnny Hallyday stirbt im Alter von 74 Jahren.

Frankreich
Johnny Hallyday ist tot. Foto: afp

Frankreich steht unter Schock. Johnny Hallyday ist tot. Der Löwe mit den blauen Augen hat im Kampf gegen den Krebs den Kürzeren gezogen. Das schmerzt. Das verstört die Franzosen. Der 74-Jährige war nicht irgendein Rocker. Er war Frankreichs Rocker schlechthin. Vom Staatspräsidenten Emmanuel Macron bis zu den Jugendlichen in den Vorstädten: Alle lagen sie dem vermeintlich Unverwüstlichen zu Füßen. Zu den wenigen zählte er, welche die auseinanderstrebende Nation auf wundersame Weise noch einen konnten. „Wir dachten, er wäre unsterblich“, sagt Frankreichs früherer Kulturminister Jack Lang, „nun sind wir Waisen.“

Nachrichtensender blenden den Rest des Weltgeschehens aus, berichten in Endlosschleife aus dem Leben des am Mittwoch verstorbenen Stars. Nicht, dass das Publikum das meiste nicht schon wüsste. Aber es noch einmal heraufzubeschwören, das hilft bei der Trauerarbeit. Und sie ist groß. Gut ein halbes Jahrhundert hat Hallyday die Franzosen begleitet, ist mit ihnen durch dick und dünn gegangen. Wenn er rief, strömten die Franzosen zu Hunderttausenden herbei. Im Pariser Stade de France schlug er 1998 an fünf Abenden hintereinander jeweils 80 000 Fans in Bann. Zwei Jahre später drängten sich bei einem Gratiskonzert am Eiffelturm eine halbe Million Menschen.

„Er gehörte zur Familie“, sagen Franzosen am Mittwoch, wenn man sie fragt, was Hallydays Tod für sie bedeute. Als Johnny sprechen sie von ihm, als sei in der Tat ein Verwandter gestorben, dessen Nachnamen zu nennen nur ungebührlich Distanz schafft. Wie beim Verlust eines Angehörigen greifen sie in ihrem Schmerz zu Trauernden gereichten Worthülsen, preisen den Verstorbenen als „einmalig“, als „unverwechselbar“.

Anders als in so mancher Grabrede trifft das in diesem Fall die Wahrheit. Schon die auf 110 Millionen Platten verewigte Stimme ist eigen: wie Joe Cocker, aber nicht so rau, wie Elvis Presley, aber nicht so geschmiert, obendrein so kräftig, so gewaltig, dass schwer zu glauben ist, dass sie für immer verstummt sein soll. Der Rest beeindruckte kaum minder. Die Schultern breit, die Arme muskelbepackt – ein Athlet war er, der sich da schweißgebadet in nicht immer jugendfreien Verrenkungen auf der Bühne auszutoben pflegte. Und wenn er nicht tobte, wenn er Balladen intonierte, wurde deutlich, dass dieser so coole Kerl auch noch ein Herz hatte – und zwar am rechten Fleck. Und als wäre das noch nicht genug, hat dieser Kerl dann auch noch weit ausgegriffen, sich Blues, Country, Techno und Hip-Hop angeeignet, ist obendrein als Schauspieler vor die Kamera getreten.

 „Ich lebe aus, was viele Franzosen gern leben würden, aber nicht leben können, ich bringe in ihre Wohnstube, was sie in ihrem Leben vermissen“, so hat Johnny Hallyday seinen Heldenstatus einmal erklärt. Wenn sich seine Landsleute leicht mit ihm identifizieren konnten, dann weil er sich von unten hochgekämpft und doch nie abgehoben hatte.

Immer hat dieser Sänger gekämpft, von Anfang bis Ende. Am Anfang musste er es, weil er „keine Familie hatte“, wie er einmal sagte. Der Vater, ein belgischer Schauspieler, Tänzer und Sänger, ging acht Monate nach Johnnys Geburt seine eigenen Wege. Die berufstätige Mutter überließ das Kind der Schwester, einer Tänzerin, die mit dem erst knapp einjährigen Neffen auf Tournee ging.
Kaum auf eigenen Füßen stehend, schlug sich Johnny in Pariser Musikkellern durch. Ende der fünfziger Jahre gelang der Durchbruch, mit für das damalige Bürgertum schockierenden Tönen und Gesten. Rockstar war er nun, was ihn freilich nicht vor neuen Anfeindungen bewahrte. Alkohol und Drogen und Scheidungsverfahren setzten ihm fortan zu.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum