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Frankfurter Romanfabrik Freiheit ist auch eine Frage der Energie

Ein Konzert wie ein Fluss voller Stromschnellen: Das Trio Grünen mit Lillinger, Kaufmann und Landfermann in der Frankfurter Romanfabrik.

Die Ereignisdichte auf der Bühne ist hoch. Wenn hier etwas grünt und heranwächst, dann nicht in einem behäbigen, organischen Prozess, sondern übergangslos und eruptiv. Zumindest am Anfang. Christian Lillinger am Schlagzeug beginnt den Set gern mit einer dynamischen und signalhaft kurzen Schlagfolge, einer überfallartigen Konfrontationsübung: Hier wird nicht sensibel dem Heranwachsen von Freiheits-Gänseblümchen gelauscht, hier ist Großstadt, hier geht es umweglos zur Sache, und Freiheit ist auch eine Frage der Energie. Christian Lillinger ist dabei nicht allein. Zum Trio Grünen gehören noch Achim Kaufmann, Klavier, und Robert Landfermann, Bass, und sie tragen das ihre zu der besagten Ereignisdichte bei.

Vieles klingt frei improvisiert, was unter anderem eine Folge von Achim Kaufmanns raffinierter Kompositionsarbeit ist, die gemeinsame Pläne auslegt, Verabredungen fixiert, Zusammenhänge herstellt, Prozesse beschreibt. Manchmal gibt es überraschende Unisono-Phrasen zwischen Bass und Schlagzeug, Klavier und Bass. Plötzliche Akzente von Klavier und Schlagzeug. Und dann merkt man: was da zu hören ist, lässt viel Energie frei sich verströmen, ist aber nicht regellos. Es ist eine gemeinsame Bewegung dreier intensiv arbeitender Musiker, die für diese Wegstrecke miteinander sehr verbindlich verabredet sind.

Von Kaufmann kommen dabei nicht nur die strukturierenden Impulse, sondern auch intensive perkussive Passagen, klangintensive, nuancenreiche Phrasen, Energieblöcke, beredtes Schweigen, Hinhören, akzentuiertes Wiedereinsteigen. Was er nicht leistet: die Versorgung des Trios mit harmonischen Strukturen. Sowas braucht da niemand.

Landfermann, einer der gefragtesten und variabelsten Bassisten der aktuellen deutschen Jazz-Szene, steht zwar räumlich zwischen Klavier und Schlagzeug, geht aber weit hinaus über die traditionellen Bassisten-Tugenden. Er hält nicht nur diesen Sack voller Flöhe zusammen, indem er Impulse von der linken Seite (Lilllinger) und Strukturen von der anderen (Kaufmann) aufgreift und verstärkt. Manchmal treibt er die Jagd voran durch kompakte, dunkle Energieschübe oder trommelnden Händen auf dem Korpus. Manchmal findet er mit Hilfe des Bassbogens wunderbar irritierende Klänge, die er einwirft und damit dem Spielprozess eine neue Richtung vorschlägt. Und stets stellt sich daraufhin ein neuer Konsens ein – Ausgangslage für weitere Änderungsvorschläge.

Lillinger ist visuell das dramatische Zentrum der Bühne. Es ist kaum zu vermeiden, dass man ihm staunend zuschaut, wie er mit hoher Geschwindigkeit und enormer Sicherheit durch unvorhersehbare Rhythmus- und Klang-Gelände rast, dabei immer präzise, präsent und nie suchend erscheint, vertrackte polyrhythmische Strukturen produziert und dabei noch Zeit hat, mit der linken Hand den Schlagzeugstock kreisen zu lassen oder sich die Haare aus der Stirn zu wischen.

Aber dieser Live-Auftritt spielt auf zwei Ebenen. Wer für einige Zeit die Augen schließt und einfach nur zuhört, was da geschieht, versteht schnell, wie eng diese drei Musiker zusammenarbeiten. Wie sehr ihre Energie und ihre Musik einen gemeinsamen Fluss und darin eine permanente Stromschnelle bilden.

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