Lade Inhalte...

Frankfurt Der Groove altert nicht

Earth, Wind and Fire mischen ihr Publikum in der Jahrhunderthalle auf. Und haben eine interessante Vorband dabei.

Das Entfesseln elementarer Kräfte in der Musik ist ein hoher Anspruch. Den Herren von Earth, Wind and Fire gelingt es in der Jahrhunderthalle Frankfurt mal mehr, mal weniger. In den besten Momenten materialisiert sich aus Erde, Wind, Feuer und den konsumierten Getränken machtvoll das fünfte Element: der Groove.

Aus den ersten Anfangstagen ist lediglich Bassist Verdine White dabei, Bruder des 2016 verstorbenen Gründers und Schlagzeugers Maurice White. Aber Philipp Bailey, seit 1972 die markante Falsettstimme der Band aus Chicago, steht auf der Bühne; und genauso lang dabei ist Robert Johnson, der jetzt mehr singt und an den Percussions steht, als hinter den Drums zu sitzen. Die drei sind Kern einer zwölfköpfigen Truppe, inklusive Baileys Sohn Philipp Jr. mit Percussion und Background-Vocals und einer dreiteiligen Bläsersektion – nicht mehr die legendären Phenix Horns, aber ähnlich fit in treibenden Einwürfen und Stakkato-Läufen. Für Hosen, Jacken und Mäntel der Band mussten viele Glitzerkugeln sterben.

Als Vorgruppe ist das Footprint Project aus Potsdam da, sieben junge Männer in einer Art Star-Trek-Trainingsanzügen und eine Sängerin. Die mehrfach gebrochenen, gegen den Strich gebürsteten, gelegentlich bis zur Rumpeligkeit mit Dubstep, Ska oder BreakBeat verschnittenen Funk-Grooves, mit Beatboxing und Brass-Section grundiert und der Stimme von Rokhaya Niang garniert, ernten verdient mehr Applaus, als Vorgruppen meist erhalten.

Und sie bilden eine spannende Folie für die Hauptband. Denn deren jazzbeeinflusster Funk und Soul ist weniger sophisticated, aber – nun ja – erdiger und feuriger als der ihrer modernen Erben. Auch wenn die Urgewalt in bunten Afro-Roben, die zwischendurch nostalgisch auf der Großleinwand aufscheint, zum Schwarz-Weiß-Glitzer verblasst ist: Der Groove altert nicht.

Footprint Project ist in der Experimentierphase, Earth Wind and Fire am anderen Ende des musikalischen Entwicklungszyklus: in der Recycling-Epoche. Der jüngste Song auf der Setlist ist „Let’s Groove“; 1981 hat die Band ihn das erste Mal in einem Konzert gespielt. Alles andere stammt aus den 70ern oder, wie das Beatles-Cover „Got To Get You Into My Life“, sogar aus den 60ern.

„Sing A Song“, „Shining Star“, „Getaway“ und „Jupiter“ bilden den starken Auftakt. Dann dehnt sich zwischen „Serpentine Fire“ und „Devotion“ manche Instrumentalpassage arg in die Länge. Bei „Kalimba Story“ bedient Bailey jenes als „Daumenklavier“ unzureichend benannte ursprünglich afrikanische Lamellophon aus dem Songtitel, das Bandgründer Maurice White in den Pop-Sound eingeführt hatte.

Mit den Hits gegen Ende, vom beegeeesken Schmachtfetzen „After The Love Has Gone“ über „Fantasy“ und „Boogie Wonderland“ bis „September“ und der Zugabe „In The Stone“, stimmt die Balance der Elemente wieder. Fast ein bisschen zu routiniert stampft die Boogie-Maschine ins Wochenende.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen