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Frankfurt Brillantes Piano-Ping-Pong

Die immens sympathischen Brüder Jussen spielen mit der Academy of St Martin in the Fields in der Alten Oper.

Lucas & Arthur Jussen in der Alten Oper. Foto: Judith Kissel / Pro Arte Foto: Ansgar@Klostermann.net

Lucas & Arthur Jussen – die Kaufmanns-Kopula ist wahr und falsch zugleich. Denn die beiden jungen, 22 und 25 Jahre alten Pianisten aus Holland sind zwar einerseits Partner im Geschäft der pianistischen Duo-Instrumentalität. Aber zugleich sind sie auch Brüder, geboren in Hilversum und gemeinsam ausgebildet, nicht zuletzt auf Einladung von Maria João Pires in Portugal und Brasilien.

Jetzt hatten sie ihren Auftritt gewissermaßen als Geschwister Jussen & Co. KG bei Pro Arte in der Alten Oper Frankfurt, wo der musizierende Kommanditgesellschafter die Academy of St Martin in the Fields war. Die Jussens sind zwei sehr jungenhaft, unbekümmert sowie ein wenig ungelenk auftretende Solisten, die das Publikum sofort auf ihrer Seite hatten. Im Großen Saal gaben sie Wolfgang Amadeus Mozarts „Konzert für zwei Klaviere Es-Dur KV 365“, das sie nicht nur als brillantes Piano-Ping-Pong begriffen, sondern zudem als ein von beiden Seiten sich verdichtendes, im Zwischenraum der Flügel zu einem Ganzen werdendes Klanggeschehen.

Der jüngere der beiden Brüder, Arthur, hätte mit seiner zierlicheren Statur, seiner hellen und quirligen Art das Zeug für jedes Mozart-Casting. Der ältere, Lucas, der versonnenere, stärker Ausdruck vorstellende, war dagegen in der Rolle des Großen Bruder. Eine gute visuelle Arbeitsteilung, die sich in mehreren vierhändig vorgetragenen Zugaben auch als solide klangliche Grundierung und Rahmensetzung mit gleichzeitig blühendem Diskant bestens bewährte.

Das Mozart-Konzert, das wegen des pianistischen Doppelaufwands kaum einmal erklingt, ist bei melodischem Schwerpunkt doch mit viel harmonischer Binnendifferenz ausgestattet. Regelrecht volkstümlich der letzte Satz mit seiner tändelnden Papageno-Munterkeit. Das Academy-Tutti blieb hier ziemlich pauschal und schien Turbulenz gleich mit Direktheit und Vorpreschen zu verbinden.

Eine Tendenz, die sich schon bei dem Eingangsstück, Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3, als Überflottheit auf einem puren Virtuosenkarussell zeigte. Von Bach formten die Jussen-Brüder noch das c-Moll-Doppelkonzert BWV 1060 in fester, aber nicht harter Textur mit schöner Verspannung der Einsätze. Sehr gut durchgestaltet waren unter der Leitung des Konzertmeisters Tomo Keller, der vom ersten Pult aus die Academy diskret steuerte, die Binnensätze von Mozarts C-Dur-Sinfonie, der „Linzer“. Ansonsten wirkte vieles wie ausschließlich in Großbuchstaben gesetzt. Solide und gut bekannt.

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