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FM Belfast Wohlfühlmusiker, die nicht nerven

Die Isländer von FM Belfast im Frankfurter Mousonturm, wo sie angenehm lässig sind.

Als erstes mal alle miteinander in die Hocke, und dann auf – und Hopsen! Hundert Prozent Ausgelassenheit, das ist seit jeher das Programm von FM Belfast, dafür sind sie bekannt, dafür werden sie von ihren Fans geliebt. Dafür braucht es nicht viel mehr als ein paar euphorische Discobeats und darüber einen häufig chorischen Gesang.

Gegründet wurde FM Belfast 2005 in Reykjavik, zunächst nur juxeshalber zwecks Aufnahme eines Songs zur Verteilung im Freundeskreis. Im Zuge der Konzertreise zu ihrem vierten Album, „Island Broadcast“, tritt die in ihrer Stärke variierende isländische Band um das Kernpaar Árni Rúnar Hlöðversson und Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir jetzt als Sextett auf.

Immer wieder hantiert Hlöðversson, die inzwischen kurzhaarig blonde und nicht mehr langhaarig brünette Sängerin, mit einem Glitzerpuschel herum. In der Band findet sich neben einem Keyboarder und einem Schlagzeuger der ein Umhängekeyboard im Stil der achtziger Jahre spielende Zopfträgerzottel Hermigervill: Zur Eröffnung legt er einen knalligen dance-elektronischen Knöpfchendreher-Auftritt mit der Dramaturgie eines DJ-Sets hin. Immer wieder werden bunte Papierbänder ins Publikum geworfen. Ein muskulöser Chorsänger von kleinem Wuchs bringt als zirzensischer Kraftprotz zum Schluss hin sein Stretchshirt zum Zerreißen – der Abend hat einiges von Karneval. Kein Hall ist zu viel für Ausrufe von der Art „Are you readyyyyyyyyy?“

Die Musik? Nun ja, sie ist mäßig variantenreich. Einer überschäumenden Show steht sie jedenfalls nicht im Wege – und das ist es ja vor allem, worauf der Ruf von FM Belfast gründet. Oftmals treibt ein Piano-Riff die Nummern an, mal auch ist es eines auf synthetischen Steeldrums. In den Texten dieses Animateurpops geht es viel um Gefühle und um Gemeinschaft, mal auch um den Zustand der Welt, in einer – wen wundert’s – ziemlich naiven Art.

Der Mousonturm hat in seiner Ankündigung unverblümt von „Wohlfühlmusik“ gesprochen. Kaum zu fassen an sich, dass FM Belfast sich damit in einem satisfaktionsfähigen Rahmen bewegen. Und dass sie nicht nerven. Sie inszenieren ihre überbordende Show mit einer sympathiestiftenden lässigen Ironie. Musikalisch haben sie sich nicht ernstlich weiterentwickelt. Inzwischen gar wirken sie wie die Antwort des Indiepops auf Scooter. Von der naiven Frische und dem Selfmade-Charme ihrer frühen Tage haben sie sich eine ganze Menge bewahrt. Das ist schon amüsant, nach wie vor.

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