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Filmmusik in Mainz Playing in the Rain

Die Exotik, die Schärfe, die Süße: Schöne Filmmusiken vom 21st Century Symphony Orchestra beim Rheingau Musik Festival in Mainz.

Das 21st Century Symphony Orchestra im Mainzer Malakoff Park. Foto: RMF / Hannah Meinhardt

Regen fällt vom Himmel, Musik nicht. Diese Binsenweisheiten materialisierten sich eindrücklich beim Filmmusik-Konzert des Rheingau Musik Festivals, welches nicht im Rheingau stattfand, sondern – auch aus Anlass des 200. Geburtstages von Rheinhessen – in Mainz. Auf der ausverkauften Malakoff-Terrasse am Rhein saßen knapp unter 3000 Menschen (ein paar blieben dann offenbar doch daheim) geduldig im andauernden Gepladder, die Capes reichten offenbar aus, das überdachte Orchester wurde in den Randzonen durch junge Männer mit Regenschirmen geschützt, der Fluglärm ließ den Dirigenten bisweilen abwarten, aber nicht lange – merke: ein Flugzeug kann lauter sein als eine Raumschiff-Blockbuster-Melodie, aber nur bei den ersten Takten.

Überhaupt sprengte all das die Veranstaltung keineswegs. Vielmehr zeigte sich bei verminderter Konkurrenz – milchig Rhein und Himmel – bekannte Kinomusik von ihrer prächtigsten, farbigsten Seite. Das stark besetzte, von Ludwig Wicki geleitete 21st Century Symphony Orchestra mit Stammsitz in Luzern hat sich darauf spezialisiert, und die Lautsprecherverstärkung störte nicht, gab sie dem Klang hier eher noch die erforderliche Riesenkinodimension. Es war wie immer eine lehrreiche Freude zu erleben, wie das tonale großsinfonische Format in der Filmproduktion einen sicheren Hort gefunden hat.

Von Miklos Rozsas „Ben Hur“ bis zu Hans Zimmers „Piraten der Karibik 3“-Suite lässt sich nachvollziehen, wie sie alle sich Richard Strauss angehört und die Exotik, die Schärfe, die Süße registriert haben. Alles, was dem Hörer an Strauss (und Wagner und allen, die Strauss gehört hat, und Erich Wolfgang Korngold und allen, die Strauss gehört haben) heilig sein mag, wendet sich jetzt ins Unterhaltsame, Eingängige, unverdrossen Wiederholte. Das erhöht aber bloß das Vergnügen und den erfreulichen Schauer gegenüber dem unverklausulierten Pathos. So soll es ja auch sein.

Unter Wasser die Krawatte richten

Man ahnte bei der Auswahl, dass der Kampf um Rechte an Ton und Bild kompliziert ist. Im idealen Fall waren auf einer großen Leinwand passende Szenen zu sehen. Wie bei einem Arien-Abend wirkte das manchmal so aus der Luft gegriffen noch imposanter als im Zusammenhang. James-Bond-Musik von John Barry und anderen wurde unter anderem mit der Themse-Bootsjagd aus „Die Welt ist nicht genug“ garniert, bei der man sieht, wie sich Pierce Brosnan unter Wasser rasch die Krawatte richtet. Auch spritzt er Polizisten nass, die gerade eine Parkkralle anbringen, und wechselt mit seinem extrem leistungsfähigen Boot kurzfristig auf den Landweg, wo er ein Restaurant, einen Fischgroßmarkt und weitere Gebäude zerstört. Seine Gegnerin setzt sich nachher mit einem Heißluftballon ab.

Mit bloßer Faust

Im Zusammenhang ist das erwartbar, an einem Donnerstag im Regen am Rheinufer ist es der Wahnsinn. Zwischen Michael Giacchinos „Mission Impossible“ oder John Williams’ „Indiana Jones“ (Harrison Ford erlegt Nazis im Dutzend mit der bloßen Faust) zur Entspannung „Miss Marple“ von Ron Goodwin. Das Hallo bei den ersten Tönen zeigte, wie viele Melodien, gnadenlos in ihrer Gerafftheit, Menschen seit Jahren und Jahrzehnten vertraut sind, ohne dass sie die Quelle immer ausdeuten könnten.

Musiziert wurde mit klassischem Schmiss und sicher auch dem freudigen Bewusstsein, einen Knaller nach dem anderen darbieten zu können. Gerade das etwas Unorthodoxe der Auswahl – wunderschön ein „Star Trek“-Abspann von Giacchino – machte die eigenen Regeln der Kinomusik erahnbar. Unter den Zugaben auch Hans Zimmers Musik zu „The Da Vinci Code“, was noch mal toll war, aber auch daran erinnerte, dass aufregende Klänge sich ohne weiteres zu verblödeten Filmhandlungen gesellen können. Musik ist völlig unempfindlich, was das betrifft.

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