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Festhalle Von Stjepan träumen

Die 2Cellos in Frankfurt, teils schwelgend, teils schnickschnackfrei.

Die 2Cellos haben jetzt Bärte.“ – „Es heißt Celli.“ – „Hier nicht.“ 2Cellos nennt sich das Duo Stjepan Hauser und Luka Šulic. Sie spielen zwei Celli. Jeder eines. Und füllen damit die Frankfurter Festhalle. Trotz der Bärte. Die 2Cellos haben sich ihre Fangemeinde auf YouTube als glattrasierte Modeltypen mit jungenhaftem Charme in schicken Anzügen erspielt, gern barfuß und gischt-umtost. Sie sind mit der Zielgruppe gereift und struppiger geworden, deuten Abgründe an. Hauser leitet jede Ansage mit einem gefährlich geraunten „hello“ ein.

Die erste Programmhälfte bestreiten – wie das jüngste Album „Scores“ – Filmmusiken: viel Hans Zimmer, Edelkitsch von Vangelis, Mancinis „Moon River“, ein unvermeidliches „My Heart Will Go On“. Ein kleines Streichorchester aus hübschen jungen Damen ist dabei, ein Keyboarder, ein Drummer. Alles ganz nett, auch die meist gezeichneten Clips im Hintergrund. Aber berühmt geworden wären die 2Cellos damit nicht: Zu wenig originell sind die schwelgerischen Breitwand-Arrangements, zu sehr sind die zwei Celli der 2Cellos Teil des Gesamtklangs. „Nur noch eins von den langweiligen Stücken“, kündigt Hauser irgendwann an.

Nach einem Medley aus „Game Of Thrones“ dreschen die beiden dann endlich eines der schnickschnackfreien Duette raus, auf denen ihre Karriere beruht: Michael Jacksons „Smooth Criminal“. Das Prinzip ist simpel: Einer spielt, gestrichen oder Pizzicato, das Begleitriff, der andere die Melodie, dann wird getauscht, zwischendrin ein Solo. Nur der Drummer darf noch manchmal mitmachen.

Dass sich Celli für so etwas eignen, wissen wir spätestens seit dem legendären Metallica-Album von Apocalyptica, also seit 1996. Da waren die 2Cellos noch in der Grundschule. Anfang des Jahrtausends lernten sie einander an der Musikakademie Zagreb kennen, absolvierten dann gemeinsam Auslandssemester und eroberten nach und nach YouTube. 2011 hatten sie das Glück, bei Sony unter Vertrag zu kommen.

In der Festhalle allerdings haben sie Pech: Erst funktioniert eine Box nicht, Hauser rennt von der Bühne, Konzert unterbrochen. Dann holt er sich für sein Solo bei „Thunderstruck“ ein Umschnall-Cello, will loslegen – nichts zu hören. Konzert wieder unterbrochen, diesmal länger. Saallicht an, bedauernde Ansage. Das schadet dem Spannungsbogen, aber das Publikum trägt’s mit mehr Fassung, als angesichts saftiger Preise zu erwarten wäre.

Die schnelle Konzerthälfte versammelt viel AC/DC, dazu Nirvana, Guns’n’Roses und Iron Maiden. In den Zugabenblock packen die beiden „Wake Me Up“ von Avicii (Sommerhit 2013), den letztjährigen Sommerhit „Despacito“ und zum Abschluss ein sehr intimes „With Or Without You“ von U2. Stjepan Hauser wünscht süße Träume – „träumt von mir“.

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