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Festhalle Frankfurt Justin Timberlake gibt Megashow in Frankfurt

Justin Timberlake möchte sich in der Frankfurter Festhalle als Star zum Anfassen geben - und liefert stattdessen eine Show ab, die wie ein zweistündiges Musikvideo aussieht.

Justin Timberlake
Justin Timberlake, hier bei einem Konzert in Oslo. Foto: afp

Justin Timberlake will endlich das Peter-Pan-Syndrom loswerden. Man kann nicht ewig durch das Kinderfernsehen tanzen wie damals im „Mickey Mouse Club“, die Zeit der Boybands wie NSYNC ist auch vorbei. 16 Jahre nach dem Debütalbum seiner Solokarriere („Justified“) ist die jüngste Veröffentlichung „Man of the Woods“ der Versuch, sich als bodenständig-bärtiger Naturbursche zu präsentieren. Ich bin einer von euch, ich bin immer noch der Junge aus Memphis, Tennessee – fast genauso dick aufgetragen wie einst Jennifer Lopez mit „I’m still Jenny from the block (…) No matter where I go, I know where I came from.“

Bei den Kritikern kommt Timberlakes Masche nicht gut an. In Zeiten von Donald Trump bediene sich der vielleicht wichtigste weiße Popstar der Welt an der Countrymusik der konservativen und vor allem weißen Südstaaten, nachdem ihm die jahrelange Ausbeutung afroamerikanischer Musikstile zu weltweitem Ruhm verholfen habe. In Zeiten von #MeTwo singe er in „Say Something“ davon, dass jeder seine Meinung hören wolle, wenn es manchmal besser sei, einfach gar nichts zu sagen. Ein unpolitischer Popstar in hochpolitischen Zeiten, wer braucht das noch?

Justin Timberlake kann die Kritik egal sein

Timberlake kann die Kritik egal sein. Er ist immer noch eine riesengroße Nummer, groß genug jedenfalls, um an zwei Abenden die Festhalle in Frankfurt zu füllen. Am Montagabend stehen vor allem Kinder und ihre Eltern an, um den ewig junggebliebenen Popstar zu sehen, nur dass auch die Kinder mittlerweile erwachsen geworden sind. Wer sich durch die Menge in die Festhalle gekämpft hat, kann schnell noch ein Selfie mit Dontae Winslow von den Tennessee Kids schießen, der später als Teil von Justins Bläsercrew auf der Bühne stehen wird, oder sich ein „Man-of-the-Woods“-Shirt für 35 Euro zulegen. Bei manchen dürfte das noch drin sein, die günstigsten Karten sind mit knapp 60 Euro erstaunlich preiswert. Ein signiertes T-Shirt-Exemplar bekommen jene, die beim Auftritt von DJ Freestyle genug abgehen, um aus der Menge hervorzustechen.

Fast pünktlich um 21 Uhr kommt Timberlake mit seinen Tennessee Kids auf die Bühne. Der disco-groovige Opener „Filthy“ ist gleich mal eine Ansage an alle „Hater“ da draußen: „Haters gonna say it’s fake / so real.“ Im Musikvideo ist Timberlake der Strippenzieher, der einen Roboter für sich das Tanzbein schwingen lässt. Auf der Bühne übernimmt er selbst, was mindestens genauso perfekt aussieht. Im Hintergrund tauchen Tänzer aus dem Boden auf und reihen sich in die Choreografie ein, spätestens jetzt sind die Zuschauer in Ekstase.

Was folgt, ist ein detailliert durchinszenierter Ritt durch die größten Hits, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird, als schaue man ein zweistündiges Musikvideo. Auf drei verschiedenen Bühnen, die durch einen Laufsteg miteinander verbunden sind, ist Timberlake mit seinen Tänzern, Backgroundsängern und Instrumentalisten unterwegs. Lässig im T-Shirt lässt es sich unter dem warmen Scheinwerferlicht besser performen, nur für „Suit and Tie“ muss zumindest ein Jackett her. Das Playback übernimmt den Gesang, wenn er mit seinen Tanzschritten aus der Puste kommt.

Auf dem Weg von einer Bühne zur anderen klatscht er im Vorbeijoggen mit den sehnsuchtsvoll ausgestreckten Händen der Fans ab. Ein Popstar zum Anfassen ist er trotzdem nicht, auch wenn er sich später mit einem gemütlichen Westerngitarren-Intermezzo vor künstlichem Lagerfeuer unter ebenso künstlichen Bäumen nahbar gibt – der „Man of the Woods“ eben. „Ich liebe Euch“, ist Timberlakes einziger deutscher Satz, den er gefühlt nach jedem dritten Song verwendet.

Nach exakt zwei Stunden endet die Megashow mit dem schmissigen „Can’t Stop the Feeling“, Timberlake geht als letzter von der Bühne. Der Applaus tobt noch, als die Lichter im Saal angehen. Soll niemand auf die Idee kommen, nach einer Zugabe zu rufen.

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